Full text: Der Weg der Reparation

schlossen habe, das Gutachten anzunehmen, und den beteiligten 
Regierungen empfehle, die zu ihrer Zuständigkeit gehörenden 
Punkte gleichfalls im Sinne des Planes zu entscheiden, Die 
Kommission werde die deutsche Regierung auffordern, sogleich 
die nötigen Maßnahmen für die Ausführung des Planes zu treffen. 
Das gleiche werde die Kommission selber tun. 
England, Belgien und Italien gaben am 24, April ihr Einver- 
ständnis, Für Frankreich schickte Poincare am 25. April eine 
gewundene Note, die sich zwar in Ausdrücken der Anerkennung 
für die Arbeit der Sachverständigen und der Reparations- 
kommission erschöpfte, aber um den heißen Brei der Zustimmung 
vorsichtig herumging. Erst solle Deutschland die nötigen Maß- 
nahmen treffen, dann solle die Reparationskommission diese Maß- 
nahmen genehmigen und dann erst würden die alliierten Regie- 
rungen unter sich zu prüfen haben, was zu tun sei. Frankreich 
werde dabei das größte Entgegenkommen zeigen, aber nur soweit 
es seine Lebensinteressen gestatteten, 
Das war wieder ganz der alte Poincare: Nur ja keinen Ent- 
schluß fassen, der etwas Neues bringt! Ablehnen konnte er den 
Plan nicht mehr gut, Aber die Annahme wenigstens wollte er 
so weit hinausschieben, wie es irgend ging, und erst einmal ab- 
warten, wie die Dinge liefen, 
Mit seiner Note war wenig anzufangen. Zwar verhinderte sie 
die Reparationskommission nicht, die Ausführung des Planes 
weiter vorzubereiten, aber sie ließ die endgültige Stellungnahme 
Frankreichs doch noch ganz im ungewissen, Zum Glück halfen 
die politischen Ereignisse, Bei den französischen Kammerwahlen 
am 11, Mai siegten unerwartet die Parteien der Linken. Die 
Regierung Poincare stürzte, An ihre Stelle trat ein Kabinett der 
Linken unter Herriot, Von nun. an zeigt die Entwicklung der 
Dinge einen straffen Zug, Auf der einmal betretenen Bahn gab 
es kein Schwanken mehr, In gerader Linie ging alles vorwärts. 
Die Reparationskommission, durch politischen Druck nicht mehr 
behindert, leistete tüchtige Arbeit, Bradbury, Delacroix und 
Seydoux wirkten harmonisch zusammen, 
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