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Die Arbeitgeber behalten sich regelmäßig das Recht vor, bei
drängender Arbeit die gewöhnliche Arbeitszeit zu verlängern
und bei fehlender Arbeit zu kürzen. Während nun Überstunden
so gut wie gar nicht Vorkommen, da die Beschäftigung der Zigaretten
fabriken während des ganzen Jahres eine gleich starke zu sein pflegt,
ist in letzter Zeit infolge der auch auf die Zigarettenindustrie zurück
wirkenden, allgemeinen schlechten Wirtschaftslage und infolge der
vermehrten Maschineneinstellung den Zigaretten-Handarbeitern die
Arbeitsleistung vielfach kontingentiert worden, d. h. es wird ihnen
nur die Anfertigung einer bestimmten Anzahl von Zigaretten
— z. B. 5000 Stück — pro Woche erlaubt. Hierdurch suchen die
Fabrikanten die sonst notwendige Entlassung eines Teiles der Ar
beiterschaft zu umgehen.
Es seien an dieser Stelle noch einige Angaben über die in der
Zigarettenindustrie üblichen Kündigungsfristen gemacht. Diese
sind in den verschiedenen Fabriken ziemlich verschieden. Man
findet in den einzelnen Betrieben sowohl tägliche als auch
wöchentliche als auch vierzehntägige Aufkündigungsfristen.
In manchen, und darunter auch großen, Betrieben gibt es überhaupt
keine Kündigungsfristen; die Arbeiter können hier vielmehr jederzeit
sofort entlassen werden.
Am häufigsten findet sich, namentlich in den größeren Betrieben,
vierzehntägige Kündigung.
C. Der Arbeitslohn.
a) Allgemeines.
Für den volkswirtschaftlichen Wert einer Industrie spricht in
erster Linie die Gesamtsumme der Löhne, die durch sie in die Hände
der Arbeiterschaft gelangt. Daß diese heute bei der Zigaretten
industrie durchaus nicht mehr unbeträchtlich ist, zeigt nachstehende
Tabelle, die auf Grund der Berichte der Tabak-Berufsgenossenschaft
angefertigt ist.
(S. Tabelle S. 82!)
Außer einem der schnellen Vermehrung der Arbeiterschaft
entsprechend schnellen Anwachsen der Gesamtlohnsumme zeigt uns
die Tabelle noch, daß
1. die Löhne der Zigarettenarbeiter von Jahr zu Jahr gestiegen
sind, und zwar in den letzten zehn Jahren unter Zugrundelegung
der Verhältnisse in der gesamten deutschen Zigarettenindustrie um
25 Prozent und daß
2. der auf einen Arbeiter durchschnittlich entfallende Jahres
lohn in den ohne Motoren arbeitenden Betrieben bedeutend niedriger
Zeitschrift für die ges. Staatswissenschaft. Ergänzungsheft 33. 6