Weltanschauung.
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einfach Religiöse abgeklärt; es ist die Zeit, da Harnacks „Wesen
des Christentums“ von neuen Gottessuchern eifrig gelesen wird.
Ob freilich der Zug ins Metaphysische dem Christentum
wirklich zu gute kommen wird? Ist das moderne Christentum
in der Verfassung der klugen Jungfrauen, die des Bräutigams
warteten? Hat es in den großen Fragen, Anliegen, Nöten
des letzten halben Jahrhunderts so zur Nation geredet, daß
seine Stimme noch jetzt volles Gehör finden wird?
Jedenfalls sind die neunziger Jahre die Zeit, in denen
ein neuer Geist schon in mannigfaltigen Zungen zu Worte kam,
wenn seine Außerungen auch heute noch vielfach recht unabgeklärt
lauten. Von nur wenigen wichtigsten und in sich schon leidlich
deutlichen Richtungen soll infolgedessen hier die Rede sein.
Da ist zunächst eine ethische Tendenz, die in abgeschwächter
Weise an den Wiedergeburtsgedanken erinnert, auch — wenn—
gleich im Sinne des Gegensatzes — Einiges vom Evolutionismus
aufgenommen hat, vor allem aber noch an alte liberale Ideale
anknüpft. Sie hat sich dabei mit der von englischem und
amerikanischemn Boden kommenden ethischen Bewegung be—
freundet, ohne doch gerade in ihr aufzugehen. Am ein—
fachsten ist sie vielleicht durch den Gedanken eines künftigen
ewigen Friedens und durch das Bestreben gekennzeichnet, schon
jetzt diesem Frieden vorzuarbeiten. Im Dienste dieser Idee
hat die Baronin Bertha von Suttner (geb. 1848) ihren Roman
„Die Waffen nieder“ geschrieben, der 1889 erschien und es im
Jahre 1896 in der Volksausgabe schon auf eine Auflage von
achtundzwanzigtausend Exemplaren gebracht hatte. Und schon
etwas früher kam diese Richtung zum Ausdruck in der Dichtung
Adalberts von Hanstein „Von Kains Geschlecht“ (1888) mit
dem Schlußaxiom:
Nicht um des Blutes willen gedeiht ja der Kampf!
Glück soll sprießen dereinst aus wachsendem Leid,
So wie dem Irrtum allein die Wahrheit entsprießt! —
Und das Ende des Krieges ist heiliger Friede.
Da es sich hier um einen Glauben handelt, so tritt auch früh
schon der Umschlag umnmittelbar ins Religiöse ein, und leise