Full text: Neuzeitliche Krüppelfürsorge

zu ihrem Recht, während sie bei den Mädchen infolge der mehr ,sitz- 
samen“ Lebensweise in der Entwicklung zurückbleibt. Eine ver- 
kürzte Brust- und gedehnte Rückenmuskulatur begünstigt die Bildung 
des runden Rückens und damit der engen Brust mit ihren nachteiligen 
Folgen für die Entwicklung der Lunge und des Herzens; die schlaffe 
Rückenmuskulatur schafft auch die Vorbedingungen für die seitlichen 
Verbiegungen der Wirbelsäule; die schwache Bauchmuskulatur hat 
neben bedenklichen Einwirkungen auf den natürlichen Ablauf wichtiger 
Lebensvorgänge den Nachteil, daß sie das Becken und die Lenden- 
wirbelsäule nicht in der richtigen Lage zu halten vermag. Diese Übel- 
stände sollen durch die Haltungsübungen beseitigt werden. 
Ein Vorwölben der Brust bei rücklings gefaßten Händen (Fig. 1) 
dehnt die Brustmuskeln und kräftigt die wagerecht verlaufenden 
Fasern der Rückenmuskeln. Da es der Entwicklung eines Muskels am 
zuträglichsten ist, wenn äußerste Anspannung d. h. Kürzung und 
äußerste Dehnung einander ablösen, so läßt man nach mehrmaliger 
Ausführung der übung, die Figur 1 darstellt, ein tiefes, lockeres 
Rumpfbewegen vorwärts folgen (Fig. 2). Auf ein Dehnen der Brust- 
muskeln durch weites Rückwärtsführen der Arme, ein- und beid- 
armiges Kreisen rückwärts, Schulterrollen rückwärts u. dergl. muß in 
jeder üÜbungszeit besonderer Wert gelegt werden. Durch das Vor- 
wölben der Brust, Rückbeugen des Rumpfes im Brustteil wird 
der krumme Rücken bekämpft. Bei hartnäckigen Formen muß man 
zu passiven Streckungen des Rückens schreiten, wie Druck gegen die 
Schultern im Hangstand oder Hang am Reck oder mit Druck des Knies 
(der Zweiten) gegen die Schulterblätter der Ersten, die den Sitz auf 
dem Boden eingenommen haben, wobei die Zweiten die Arme der 
Ersten rückwärtsführen. Die unsere Wirbelsäule in ihrem Verlauf be- 
gleitenden langen Rückenstrecker, die bei gleichmäßiger Ausbildung 
erstere vor seitlichen Verbiegungen schütßen, werden besonders durch 
das Rumpfsenken und -heben (Fig. 3) ausgebildet. Die in Fig. 3 zuge- 
ordnete Armtätigkeit dehnt zugleich die Brust- und kräftigt die wage- 
recht verlaufenden Rückenmuskeln. Da das Rumpfsenken und 
-heben auf dem Senken und Heben des Beckens beruht, werden dabei 
auch Hüft-, Lendenmuskeln und die Beugen des Kniegelenks besonders 
in Tätigkeit gesetzt. Es sei hier bemerkt, daß es unmöglich ist, alle 
Muskeln zu nennen, die bei einer übung in Tätigkeit sind. Wenn 
gesagt ist, daß eine übung eine bestimmte Muskelgruppe aus- 
bildet, so muß man sich das Wörtchen „vorwiegend“ dazu denten. 
Das Rumpfbeugen seitwärts hält die Bänder der Wirbel- 
säule geschmeidig, übt die schrägen Bauchmuskeln und langen Rücken- 
strecker und mit dem in Fig. 4 zugeordneten Seitenschwingen des 
Armes auch die Brust- und Zwischenrippenmuskeln, welch letzteres für 
die Erhaltung der Elastizität des Brustkorbes von großer Bedeutung 
1 32
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.