304 Fünfzehntes Buch. Zweites Kapitel.
Formulierung der Sache Luthers zu gute kommen mußte; die
Reformation befestigte sich.
Den Beweis hierfür erbrachten deutlich genug die Er—
fahrungen, die der zu einem neuen Reichstag nach Nürnberg,
im Frühjahr 1524, abgesandte päpstliche Legat, Lorenzo Cam—
peggi, in Deutschland machen mußte. In Augsburg ward
er beim Segensprechen verhöhnt. In Nürnberg riet man ihm
von vornherein, er möge beim Einzug seinen Segen und Kreuz
zu thun lieber unterlassen; und er mußte mit ansehen, wie in
der Karwoche Tausende von Nürnberger Bürgern das Abend—
mahl in beiderlei Gestalt nahmen.
Was war da vom Reichstag zu erwarten? Es war klar,
daß die Stände vielleicht Luthers Person fallen lassen würden,
nicht mehr aber die von ihm angefachte Bewegung; im Fall
der Gegnerschaft gegen diese fürchteten sie „viel Aufruhr, Un—
gehorsam, Totschläge, Blutvergießen, ja ein ganzes Verderben“.
Nun war das im Jahr 1522 geplante Konzil nicht zu stande
gekommen. Indes hielten die Stände hartnäckig an ihm fest
trotz der Gegenbemühungen des Legaten; und um den Plan
nicht weiteren Wechselfällen auszusetzen, beschlossen sie am
18. April 1524 der Mehrzahl nach trotz heftigen Wider—
strebens der Anhänger der alten Kirche die ersten vorbereiten⸗
den Schritte.
Zum 11. November 1824 sollte in Speier eine „gemeine
Versammlung deutscher Nation“ zusammentreten, in der ein
„Auszug aller neuen Lehren und Bücher, was darin disputier⸗
lich befunden“, vorgelegt werden sollte; er sollte vorher durch
verständige Räte der Stände angefertigt werden. Den Inhalt
dieses Auszugs wollte man dann erörtern und feststellen, was
als Ergebnis dieser Erörterung ,bis zu Anstellung des gemeinen
Konzils gehalten werden solle“. Inzwischen aber solle jeder
Stand das Wormser Edikt durchführen, „soviel es ihm mög—
lich sei', und sollte das „heilige Evangelium und Gottes
Wort nach dem rechten wahren Verstand und Auslegung der
von gemeiner Kirche angenommenen Lehre ohne Aufruhr und
AÄrgernis gepredigt und gelehrt“ werden.