Banken und Industrie. 415
immer Industriekomplexe gegeben hat und voraussichtlich geben wird,
deren Finanzkraft so beträchtlich ist, daß sie ihre volle Unabhängigkeit
vom Bankkapital sich bewahren können, — Diese Hervorhebungen sind
notwendig, um dem Einwand der Einseitigkeit, der sonst entstehen
könnte, von vornherein zu begegnen,
B, Wesen und Wirkungen des Bankeneinilusses,
I, Die von mir für die Gesamtbetrachtung des Problems angenommene
Überlegenheit der Banken im Interessenkampfe hat ihren Grund
in der Organisation des Kapitalverkehrs sowie in der Eigenart der
rechtlichen Regelung des Aktienwesens,
1. Die Banken sind Sammelbecken der in der ganzen Volkswirt-
schaft zerstreuten Einzelbeträge an anlagebedürftigem (geld-
förmigem) Kapital, An sich ist es durchaus möglich, daß flüssige
Mittel ohne Dazwischentreten der Bank investiert werden; mit
jeder Investierung ist jedoch eine mehr oder weniger große Ver-
waltungsarbeit verbunden (Ausfindigmachen eines Kapitalnach-
firagers, Abschluß von Verträgen mit diesem, Prüfung und Über-
wachung der wirtschafilichen Lage des Kreditnehmers, Ein-
ziehung der Zinsen usw.); diese Verwaltungsarbeit würde sich
für den Einzelnen, wenn überhaupt, nur bei langfristigen Anlagen
lohnen. Ferner ist jede direkte Investierung mit einem Risiko
behaftet, das vielfach größer ist als das Risiko der Anlage bei
einer soliden Bank, Ähnliche Schwierigkeiten ergeben sich für
den Kapitalnachfrager. Der Weg der direkten Kapitalanlage
und -beschaffung ist daher nur in Ausnahmefällen gangbar; viel-
mehr tritt zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber in der Regel
der für diese Zwecke besonders eingerichtete Apparat der Bank.
Bei der Beschaffung von Kapital auf dem Wege der Emission
kommt hinzu, daß dem kapitalsuchenden Unternehmer der un-
mittelbare Zutritt zum freien Kapitalmarkt, nämlich der Börse,
nicht gegeben ist, anderseits die Begebung der Wertpapiere an
einen großen Kreis von Kapitalisten in der Regel nur möglich ist
auf Grund der Empfehlung eines angesehenen Bankinstituts.
Sogar bei der Kapitalerhöhung unter Anbietung der Aktien an
die bisherigen Aktionäre kann die Hilfe der Banken schon aus
technischen Gründen meistens nicht entbehrt werden.
An sich braucht aus der Unentbehrlichkeit der Banken
für die Kapitalbeschaffung nicht zu folgen, daß die Banken
eine überlegene Stellung im Wirtschaftskampfe innehaben; auch
der Handel kann beispielsweise auf den meisten Gebieten nicht
ausgeschaltet werden, und trotzdem ist er in vielen Branchen