Full text: Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

Ferner ist wichtig, daß in den Städten die Gewerbetrei- 
benden vielfach in Form des Lohnwerkes arbeiteten, so 
also, daß das Rohmaterial von dem Kunden geliefert wurde 
und der Gewerbsmann die Verarbeitung vornahm”®). Wie sehr 
die Naturalwirtschaft auch in den Städten des Spätmittelalters 
sich noch forterhielt, zeigt das Stadtrecht von Augsburg von 
1276. Die Bürger trieben selbst Viehzucht, und die Metzger 
waren verpflichtet, ihnen auf Verlangen das Vieh im Hause zu 
schlachten®). Auch die Schuster kauften noch am Ausgang des 
Mittelalters in den Städten des Oberrheins nicht alles Leder auf 
dem Markte, sondern besaßen selbst Vieh (Kälber), deren Fell 
ihnen von den Gerbern zu Leder verarbeitet wurde*). 
Ebenso erhielten auch die Tuchscherer, z. B. in Würzburg u. a., 
von den Privatleuten Stücke geliefert, welche sie dann gegen Lohn 
schoren“?). Dort zahlte übrigens die Stadt an das Domkapitel von 
einigen Häusern, die zum Gewandhaus gehörten, wo der Verkauf 
des Wolltuches stattfand, einen jährlichen Weizenzins®®). 
Über die Stellung des Lohnwerkes in Frankreich lassen sich 
analoge Belege anführen. So z. B. bei der Seidenweberei in Paris®*). 
In manchen Städten Deutschlands wurde die Entlohnung der 
städtischen Beamten und Taglöhner, welche die Stadt für die öffent- 
lichen Arbeiten verwendete, zum Teil auch in natura durchgeführt. 
So wurden in Hildesheim Ende des 14. Jahrhunderts die Baumeister, 
wie auch andere städtische Beamte, auf Gemeindekosten bekleidet. 
Die Bauarbeiter (Zimmerleute, Pflasterer, Säger) erhielten entweder 
einen Taglohn in Geld oder in gemischter Form (Geld und Be- 
köstigung)®). 
®) Vgl. v. Below, Die histor. Stellung des Lohnwerks, Territorium und 
Stadt, S. 321 ff., bes. 328 u. 330. 
5) Vgl. G. Adler, Die Fleischteuerungspolitik, S. 59- 
$) Vgl. Die Ordnung f. d. Rotgerber vom Jahre 1513, bei E. Gothein, 
Wirtsch. Gesch. d. Schwarzwaldes, S. 391. 
$) Vgl. J. Fr. Hummel, Das Textilgewerbe der Stadt Würzburg bis zum 
Ausgang des 17. Jahrhunderts. Inaug. Diss. Freiburg i. Br. ( 1913), S. 34. 
%) Ebda. S. 63. 
%) Vgl. G. Fagniez, Etudes sur l’industrie et la classe industrielle 4 Paris 
au XIII et XIV siecle. Bibl. de P&cole des Hautes fitudes. Sciences philol. et 
histor. 33, 229. 
®) Vgl. W. Tuckermann, Das Gewerbe der Stadt Hildesheim bis zur 
Mitte des 15. Jahrhunderts. Inaug. Diss. Tübingen 1006. S. 08.
	        
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