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vertrat geradezu den Standpunkt*“), die reichliche Verwendung des
Erwerbskredites in‘ der Landwirtschaft wie im Gewerbe lasse
die Behauptung zu, daß das Mittelalter relativ viel mehr ein
Zeitalter der Kreditwirtschaft gewesen als die Neuzeit. Schon
deshalb auch, weil der Vorrat an Betriebskapital in der älteren
Zeit viel geringer war als in letzterer. Der Kredit war damals
im Handel und Gewerbe ein wichtiges Mittel zur Kapitalsbildung.
Die einzelnen wirtschaftlichen Betriebe konnten damit ihre Werte
vergrößern und immer wirksamer im kapitalistischen Sinne ausgestalten.
Im Handwerk war der Einkauf des Rohstoffes auf
Kredit sehr üblich, im späteren Mittelalter dienten die Viehtafeln
zur Versorgung der Metzger und der Verbraucher mit
Vieh, besonders für den Winter‘), Das Handelsgeschäft aber
war keineswegs, wie noch Sombart meinte, immer ein Handkauf,
d. h. Lokogeschäft, man bediente sich vielmehr schon
des eigentlichen Lieferungsgeschäftes mit Barzahlung oder auf
Kredit. Mitunter ergaben sich, wie z. B. bei den deutschen Kaufleuten
in Bergen (Norwegen), große Pausen im gegenseitigen
Ausgleich der Lieferung. Die Nordlandfahrer glichen die von
Süden stammenden Waren jener erst ein Jahr später mit Stockfisch
aus**?),
Es ergibt sich also, daß Kredit- und Tauschwirtschaft ebenso
wie Kredit- und Geldwirtschaft miteinander verbunden sein können
und dies im Mittelalter tatsächlich auch häufig gewesen sind.
Somit tritt hier nicht nur das Nebeneinander von Natural-,
Geld- und Kreditwirtschaft zur gleichen Zeit in die Erscheinung,
sondern es wurden gewisse Schwierigkeiten, welche die Geldwirtschaft
im Barverkehr zeitigte, insbesondere auch das Problem des
Zinsgewinnes (kanonisches Zinsverbot, bzw. kirchliche Wucherverbote!)*!*),
damit gelöst.
In Florenz konnte übrigens auch der arme Gewerbetreibende
sein Handwerkszeug ohne Geld, durch Arbeit, erwerben; im Wege
eines Vertrages (der Accomandigia) stellte die Tucherfirma dem
Weber einen vollkommen ausgerüsteten Webstuhl zum Verkauf.
10) Ebda. S. 24.
41) Ebda. S. 29.
u?) Ebda. S. 36.
13) Darauf hat schon Doren a.a.O. S. 173 ff. aufmerksam gemacht. —
Vgl. dazu jetzt bes. auch Kuske a.a.O. S.7ff. und S. <sıf.