Full text : Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

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Händlers bzw. Vermieters (von Wohnungen) ausgeschaltet, d. h.
erspart wird.
Man könnte diesen Vorgang als das Prinzi p der
inneren Transmission bezeichnen und. geradezu ein ökonomisches
 Gesetz daraus ableiten: die Naturalentlohnung erspart
Zeit und Geld, sowohl für den Dienstgeber als auch für den Bediensteten,
 indem mit dem Unterbleiben von Verkauf und Ankauf
der zu Zahlungszwecken verwendeten Sachgüter durch unmittelbare
 Konsumtion die Nachteile der Preisbildung vermieden werden.
Wie hier bei den Urproduzenten, den großen Grundherrschaften,
 diese ökonomischen Vorteile eine Fortdauer der Naturalwirtschaft
 bedingten, so hat dann in neueren Zeiten auch der Geldkapitalismus
 diese Vorteile sich zunutze gemacht, indem die Großindustrie
 ihre Arbeiter zum Teil mit Naturalien, vielfach ihren
eigenen Erzeugnissen, entlohnte (Trucksystem). Freilich war hier,
da Mißbräuche sich einschlichen, indem die Kapitalisten ihren
Arbeitern schlechte Ware zu hohem Preise aufnötigten, der Gewinn
vornehmlich doch nur auf Seite der Dienstgeber, nicht aber auch in
gleichem Maße auf jener der Bediensteten.
Ein überaus interessantes Beispiel für die Wirksamkeit dieses
nationalökonomischen Gesetzes bietet auch unsere Gegenwart selbst.
Bei den Reparationsverhandlungen in Paris 1929 wurde darauf
hingearbeitet, die Sachlieferungen zu erweitern und die Bargeldzahlung
 herabzumindern. Das geschah aber nicht so sehr aus Mangel
an Geld, als deshalb, weil diese Naturalleistungen für den Verpflichteten
 leichter zu erbringen, d. h. eben billiger sind.
Auch im Welthandelsverkehr der Gegenwart werden Handelsforderungen
 noch ohne Bargeld ausgeglichen durch Lieferung von
Naturalien selbst über die Grenzen des einzelnen Staates hinaus.
Es ist in der neuesten Literatur dafür bereits ein charakteristisches
Beispiel angeführt worden*): Böhmische Zuckerfabrikanten senden
Rübenzucker nach England, während englische Wollenspinner
Schafwollgarne an Webereien in Brünn schicken. Die ersteren
ziehen für ihr Guthaben Wechsel auf ihre englischen Schuldner, die
den Wechsel akzeptieren. Dieser wird dann einer Prager Bank
präsentiert, von dieser indossiert und ausbezahlt. Die Brünner
Weberei kauft in Prag diesen Wechsel und verwendet ihn mit ihrer

*) Rob. Eisler, Das Geld (Lichtbildlehrbücher, Bd. I). 1924, S. 203.
            
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