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Die schwierige wirtschaftliche Lage, welche durch die Ab-
sperrungspolitik Napoleons herbeigeführt wurde, hat J. G. Fichte
veranlaßt, in seinen „Reden an die deutsche Nation“ nicht nur für
eine nationale Einigung, sondern auch für eine wirtschaftliche Ver-
selbständigung gegenüber dem Auslande einzutreten. Schon 1800
hatte er eine Schrift erscheinen lassen „Der geschlossene Handels-
staat‘, welche dieses Ziel durch Abschließung der heimischen Pro-
duktion gegenüber dem Auslande und gleichmäßige Verteilung der-
selben auf die einzelnen Stände erreichen zu können meinte.
Fichte befürwortete den Naturaltausch zwischen landwirtschaft-
lichen und gewerblichen Produzenten und eiferte nicht nur gegen
den Welthandel, sondern auch gegen die abgöttische Verehrung der
ausgeprägten Metalle, also das Münzgeld.
Im letzten Weltkrieg (1914—1918) aber sind diese Tendenzen
noch viel mehr laut geworden, als die Not der Hungerblokade vor
allem Mangel an den lebenswichtigen Nahrungsmitteln bewirkt
hatte. Man trat für die Erweiterung der Landwirtschaft durch Ein-
beziehung bisher unkultivierter Ländereien (Sumpf, Moore u. a.)
ein, und wollte das, was man vom feindlichen Ausland nicht mehr
beziehen konnte, z. B. Zucker und Baumwolle, durch Ersatzstoffe,
wie Ahornsüße und Nesselgewebe, daheim produzieren. Einer der
bekanntesten Wirtschaftshistoriker hat während des Weltkrieges
geschrieben: „Die Autarkie bleibt unser Ideal. Wie die Beobach-
tungen des großen Kriegs, in dem wir stehen, schon gelehrt haben,
wird die Grundlage unserer Stellung in der Welt unser starker
Nationalstaat und sein Ausbau, unsere Nationalwirtschaft und ihre
kräftigere Ausprägung, die Nationalisierung unserer wirtschaftlichen
Verhältnisse bilden?*).“
Wichtig aber ist doch gerade für die hier behandelten Probleme,
daß in beiden Fällen, 1807/08 und 1914—1918, die Autarkie tat-
sächlich nicht erreicht werden konnte, und von der wissenschaftlichen
Forschung auch dargelegt worden ist”), daß es ganz unmöglich sel,
den Fichteschen Gedanken eines geschlossenen Handelsstaates durch-
zuführen und zur wirtschaftlichen Autarkie unseres Vaterlandes zu
1) G. v. Below, Mittelalterl. Stadtwirtschaft u. gegenwärtige Kriegs-
wirtschaft. 1917, S. 39.
2%) Vgl. Karl Diehl, Deutschland als geschlossener Handelsstaat im Welt-
kriege, 1916, bes. S. 27 ff.; sowie Wygodzinski, Die Nationalisierung der Volks-
wirtschaft, 1917 (Kriegswirtschaftl. Zeitfragen 8), bes. S.ıs ff.