Full text : Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

260

gelangen. Es ist im einzelnen von berufener nationalökonomischer
Seite gezeigt worden, daß wir schon aus klimatischen und auch
natürlichen Ursachen für wichtige Rohstoffe und Nahrungsmittel die
Zufuhr vom Auslande nicht entbehren können, wie z. B. für Baumwolle,
 Jute, Gummi, Kupfer. Nur teilweise kann dafür Ersatz geschaffen
 werden. Aber wie sehr auch die technischen Verfahren,
welche zum Teil da gefunden worden sind, unsere Bewunderung erregen,
 sie kosten viel zu viel Geld, um wirklich jene Zufuhr entdchrlich
 zu machen; anderseits aber kann auch die intensivste Ausnützung
 und Ameliorierung des Bodens nicht die fehlenden Agrarprodukte
 völlig ersetzen.
Diese Erfahrungen und Feststellungen geben zu denken und
werden für die Beurteilung auch der historischen Vorgänge in der
weiter zurückliegenden Vergangenheit maßgebend sein können. Die
Ergebnisse dieses Buches werden dadurch in nachdrücklichster Weise
bestätigt. Wir können geradezu sagen: es hat niemals und nirgends
eine völlig geschlossene Hauswirtschaft gegeben, die wirkliche
Autarkie besessen hätte. Stets war der Handel nach außen erforderlich.
 Eben dadurch aber wurde auch bewirkt, daß keine reine Eigenwirtschaft
 herrschte, sondern die Tauschwirtschaft doch eindrang.
Diese konnte, theoretisch genommen, auch in Naturaltausch vor sich
gehen, hat sich aber praktisch schon sehr frühe und nahezu überall
zines Geldes bedient, weil nicht immer und überall der Ausgleich
entsprechender Mengen gleichwertiger und gleichgesuchter Waren
auf dem Markte möglich war.
Der Gebrauch des Geldes hat aber die Eigenwirtschaft ebenso
wenig ganz verdrängt wie den Naturaltausch, vielmehr hat man
vielfach, auch in Zeiten weitverbreiteter Geldverwendung, doch
Naturalleistungen bevorzugt, weil dadurch der Empfänger sich vor
den Nachteilen der Geldentwertung schützen, oder durch den
direkten Verkauf der Naturalien günstigere Einnahmen erzielen
konnte.
Die Ausdrücke Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft wären
besser ganz zu vermeiden, da sie ein einseitiges, wo nicht falsches
Bild von den wirklichen ökonomischen Vorgängen erwecken, die
weder die Alleinverwendung von Naturalien, noch auch von Geld
zutage treten lassen. Tatsächlich sind vielmehr Naturalien und Geld
nebeneinander und miteinander in derselben Wirtschaft verwendet
worden. Der Gebrauch im einzelnen war nicht nur durch den jeweils
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.