Full text: Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

Gebet um Vermehrung des Geldes, mit dem der Kaufmann auf 
den Markt kommt, um Geld mit Geld zu erwerben®°). 
Wir sehen also, daß die Geldwirtschaft schon in den vor- 
christlichen Jahrhunderten in Indien neben der Naturalwirtschaft 
bestanden hat. Der Umstand, daß den Beamten des Königs aus 
den königlichen Magazinen Korn zur Entlohnung gegeben wird, 
beweist keineswegs allgemeine Naturalwirtschaft. Wir konnten 
dieselbe Erscheinung auch in Japan (Reis) beobachten“). 
Bei 'diesem Stande vorgeschrittener Wirtschaftsentwicklung 
wird auch erklärlich, daß schon im 4. Jahrhunderte v. Chr. eine 
wissenschaftliche Literatur nationalökonomischen Inhalts zustande 
kommen konnte. Der Finanzminister des Königs Tschandragupta, 
Tschanakia, hat ein Werk über politische Okonomie verfaßt, das 
wohl von Kautalya herrührt und uns einen intimen Einblick in 
die Verhältnisse Indiens um jene Zeit gewährt"). Neben den 
Einnahmen von den Kronländern treten solche vom Handel und 
Verkehr auf. Neben Naturalleistungen (Getreide u. a.) Geld- 
abgaben in reichlich differenzierter Weise?®). Eingehend wird die 
Zollgebarung behandelt**). Beachtung verdient, daß zur Siche- 
rung gegen Verluste bei der Entgegennahme von (fremden?) 
Münzen eine Wechselprämie in beträchtlicher Höhe (13%) ein- 
gehoben wurde“). Für die Einhebung der Akzise war ein eigenes 
Finanzdepartement vorhanden. Desgleichen bestand ein Paßamt 
für die Reisenden mit Geldstrafen für Übertretungen der Paß- 
vorschriften*!). Die Intendanz für die Landwirtschaft überwachte 
die Einnahmen aus der Bodenproduktion sowohl vom Kron- als 
Privatland. Was nicht für die Bedürfnisse des Hofes notwendig 
war, wurde verkauft“). Das gleiche galt für das Viehamt (Kühe, 
Schafe u. s. w.). Das Salz war staatliches Monopol. 
Das Gewerbe blühte. Bezeichnend für die Bedeutung, bzw- 
Verbreitung der Goldschmiede sind ausführliche Bestimmungen 
3) III. 15. Vgl. Max Weber a.a.O. 2, 84. 
%) Siehe oben S. 33- 
37) Auszüge daraus in englischer Übersetzung hat R. Shamasastry 1905 
veröffentlicht in The Indian Antiquary 34, S» 47» 110- 
%) Ebda. S. 47. 
») Ebda. S. 48. 
0) Ebda. S. 53. 
4) Ebda. S. 54. 
12) Ebda. S. 55 M.
	        
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