Full text : The fiscal problem in Missouri

92

Die  Eisenbahnen:  Schmalspurbahnen.

In  Europa  und  Nordamerika  ist  das  englische  Spnrmaß  (1435  mm)  vorherrschend,
das  sich  überhaupt  auf  etwa  Dreiviertel  aller  Eisenbahnen  in  der  Welt  vorfindet.  Nur
Länder,  denen  von  Natur  ein  Durchgangsverkehr  mit  den  Nachbarstaaten  unmöglich
gemacht  oder  erschwert  ist  (Irland,  Spanien),  oder  die  ihn  aus  politischen  bezw.  militärischen ­
  Gründen  ablehnten,  wählten  eine  andere  Spur.  Sie  beträgt  in  Rußland  1525  mm,
in  Irland  1600  mm,  in  Spanien  1676  mm.  Letzteres  Maß  zeigt  auch  ein  Teil  der  ostindischen ­
  Bahnen.
Schmalspurbahnen.  Große  Spurweiten  bedingen  naturgemäß  flache  Gleiskurven
und  breite  Bahnkörper,  machen  somit  die  Anlage  teuer.  Man  ist  deshalb  für  Bahnen
mit  schwachem  Verkehre  oder  aus  finanziellen  Gründen  vielfach  zu  einer  kleineren  Spurweite
als  1435  mm  übergegangen  (Schmalspurbahnen).  Der  hierbei  zulässige  kleinere  Kurvenhalbmesser ­
  und  die  wegen  der  leichteren  Züge  auch  ermöglichte  stärkere  Steigung  gestatten
nun  im  Hügel-  und  Gebirgskunde  ein  viel  besseres  Anschmiegen  der  Bahnlinie  an  die
Bodeugestaltung.  Die  stets  kostspieligen  Kunstbauten  und  Erdarbeiten  werden  bei  enger
Spur  wesentlich  eingeschränkt.  Schmalspurbahnen  fallen  deshalb  für  das  laufende  Kilometer ­
  etwa  30  000  Mark  im  Mittel  billiger  aus  als  eine  Vollbahn,  auch  Betrieb,  Unterhaltung ­
  und  Bewachung  erfordern  wesentlich  geringere  Summen.  Sie  sind  daher  in
dünnbevölkerten  Gegenden,  wo  kein  lebhafter  Verkehr  zu  erwarten  steht,  sehr  am  Platze.
In  unserer  Zeit  finden  sie  als  Kleinbahnen  eine  stark  wachsende  Verbreitung.  Die  Spurweite ­
  der  deutschen  Schmalspurbahnen  beträgt  1000,  750  oder  600  mm.  Abweichungen
kommen  vielfach  im  Auslande  vor,  so  zeigen  schwedische  und  norwegische  Bahnen  871
und  1067  mm,  bosnische  Bahnen  760,  die  Linie  Beirut-Damaskus  1050,  die  Wengernalpbahn ­
  800  mm  u.  s.  w.  Das  kleinste  Maß,  nämlich  1'  IIV4"  —  590  mm,  besitzen  zwei
Bahnen  in  Wales,  darunter  die  Festiuiogbahn,  die  zugleich  die  älteste  der  Schmalspurbahnen ­
  ist.  Die  Engländer  konnten  sich  somit  bis  1892  rühmen,  die  größte  und  auch  die
kleinste  aller  Spurweiten,  welche  bei  den  dem  öffentlichen  Verkehre  dienenden  Bahnen
vorkommen,  in  ihrem  Lande  zu  besitzen.  Die  Festiniogbahn  verbindet  den  Hafenplatz
Portmadoc  mit  der  214  m  höher  gelegenen  Ortschaft  Dinas.  Von  der  fast  23  km
langen  Linie  liegen  20  km  in  Steigungen,  die  im  Mittel  11  °/ 00  (1  :  92),  tut  Höchstwerte
14 1 / 2  % 0  (1:69)  betragen.  Gleisbögen  sind  sehr  zahlreich,  ihr  kleinster  Halbmesser
beträgt  35  m.
Ursprünglich  für  den  Schiefertransport  der  zahlreichen  um  Dinas  gelegenen  Schieferbrüche
bestimmt,  die  durch  Bremsberge  der  Neigung  200 ü /oo  (1:5)  bis  1300 u / 00  (1: 3 / 4 )  mit  der
Bahn  in  Verbindung  stehen,  wurde  bis  zum  Anfange  der  sechziger  Jahre  der  Betrieb  durch
Pferde  bewirkt.  Dieselben  zogen  die  Wagen  ins  Gebirge  hinauf  und  wurden  mit  den  infolge
der  Schwerkraft  thalwärts  gehenden  Lastzügen  wieder  abwärts  befördert.  Auch  jetzt  noch
werden  die  beladenen  Schiefcrwagen,  zu  langen  Zügen  zusammengestellt,  unter  Begleitung
einiger  Bremser  lediglich  durch  ihre  Schwerkraft  zu  Thal  gesandt.
Die  Pferde  wurden  1863  durch  Lokomotiven  abgelöst,  was  seiner  Zeit  wegen  der  außerordentlich ­
  kleinen  Spurweite  dieser  Bahn  großes  Aufsehen  erregte,  das  noch  gesteigert  wurde,
als  sechs  Jahre  später  die  langgebautcn  Fairlie-Lokomotiven  eingeführt  wurden?  Die  erste
derselben  führte  auch  den  bezeichnenden  Namen  „Little  Wonder“  (vergl.  Abb.  219  im  Abschnitt ­
  „Lokomotiven").
Das  Bähnchen  erfreut  sich  eines  großen  Verkehres,  beförderte  es  doch  bereits  im
Jahre  1869  nicht  weniger  als  97  000  Reisende,  welche  Zahl  jetzt  auf  rund  140  000  angewachsen ­
  ist,  daneben  werden  jährlich  etwa  115  Millionen  kg  Güter,  meistens  Schiefer,  aber
auch  Kohlen,  Holz  u.  s.  w.,  befördert.  Sonntags  ruht  der  Betrieb.
Eigenartig  sind  die  kleinen  3  m  langen  älteren  Personenwagen,  die  oberhalb  des  Fußbodens ­
  nur  aus  Dach  und  zwei  Stirnwänden  mit  zwei  Längssitzen  in  der  Mitte  bestehen
und  an  den  Seiten  durch  einen  Lederschurz  abgeschlossen  werden.  Sie  fassen  zwölf  Personen.
Ihr  Fußboden  liegt  20  cm  über  den  Schienen,  daher  eigentliche  Bahnsteige  auf  den  Stationen
fehlen.  Die  Schieferwagen  sind  rohe  Holzkarren  ohne  Federung,  von  ihnen  stehen  etwa
1100  Stück  in  Benutzung  Abb.  57  zeigt  eine  Station  dieser  Bahn  mit  zwei  zur  Abfahrt
bereitstehcnden  Zügen.  Sie  scheinen  für  Zwerge  gebaut  zu  fein,  bieten  jedoch  dem  Reisenden
in  den  neueren  Wagen  erster  Klasse  volle  Bequemlichkeit.
Die  Bauart  der  ganzen  Bahnanlage  mit  ihren  Dämmen,  Tunneln,  Einschnitten  und  ihr
Betrieb  sind  höchst  eigenartig  durchgeführt.  Die  laudschaftliche  Umrahmung  ist  höchst  malerisch,
und  eine  Fahrt  auf  dieser  Linie,  zumal  auf  der  Lokomotive,  offenbart  die  ganze  Wildheit  der
schluchtenreichen  Gebirgswelt  von  Wales.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.