Full text : Die drei Nationalökonomien

N

standes ihrer Erkenninis. Diesen bilden. die Dinge in ihrer
Mannigfaltigkeit und : Eigengesetzlichkeit, gelöst aus dem großen
metaphysischen Zusammenhange, in den man ehedem die Erscheinungswelt
 eingeordnet hatte. Es ist das „Bathos der Erfahrung“,
in dem die Wissenschaft recht eigentlich zu Hause ist. Es ist die
Einzelerscheinung, unter Umständen die Häufigkeit der Einzelerscheinung,
 die Regelmäßigkeit in dem Auftreten der Einzelerscheinungen,
 die die Teilnahme des Forschers erweckt.
Es ist daran zu erinnern, daß erst mit der neuen Zeit das theoretische
 Interesse an. der statistischen Methode, diesem Mittel
zur Summierung von Einzelwahrnehmungen, erwacht, für deren Wert:
ein Denker des klassischen Altertums oder des Mittelalters nicht das
leiseste Verständnis haben konnte. „Nichts scheint ja dem bloßen
Begriff gegenüber, in welchem für Aristoteles die Erkenntnis liegt,
äußerlicher und gleichgültiger zu sein, als diese bloß tatsächlichen
Zahlenverhältnisse; die Erkenntnis, des Begriffs kann nichts gewinnen,
wenn wir wissen, wie oft er realisiert ist und die zufällige
Zahl der Individuen kann in keinem inneren Verhältnis zu ihren
qualitativen Unterschieden stehen. Erst die Einsicht, daß es vor allem
unsere Aufgabe ist, das Gegebene in seinem faktischen Bestande voll
und genau zu erfassen und dann die Notwendigkeit dieses faktischen
Bestandes einzusehen, verleiht auch der Zahl wissenschaftlichen
Wert.“ (Sigwart.)
Es gibt nun zwischen den beiden Reichen des Seins, die die Philosophie
 und die Wissenschaft unter sich aufgeteilt haben: dem Reich
des Übersinnlichen und des Sinnlichen, gleichsam ein Zwischenreich,
dessen Entdeckung wir dem Scharfsinn deutscher Forscher der letzten
Menschenalter verdanken, ein „drittes“ Reich, in das der menschliche
Geist: erkennend vordringen will, das weder sinnlich noch übersinnlich
 ist, und deshalb in glücklicher Terminologie (durch Lask) als
Reich des Unsinnlichen bezeichnet worden ist: das Reich der
„idealen Geltungen“: gehört es zum Herrschaftsgebiet der Wissenschaft
 oder der Philosophie? Beide erheben Anspruch darauf, und
dieser zwiefache Anspruch erscheint berechtigt, denn das Geltungsmäßige
 scheint in der Tat sowohl der philosophischen als der wissensehaftlichen
 Betrachtung zugänglich zu sein, weil es ein „gemischt-
            
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