Object: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Dichtung. 
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ohierte in der Poesie die symphonische Dichtung: denn Plakat⸗ 
stͤl und Ornament gehören ins Kunsthandwerk, und ein voll⸗ 
endeter Umrißstil in der Dichtung führt schließlich nicht weiter 
als bis zur künstlerisch aufgefaßten Reportage. 
Dennoch soll nicht verkannt werden, daß die Rhythmen⸗ 
dichtung hier und da — wie ja auch die ornamentale Malerei — 
große Leistungen aufweist; denn für manchen poetischen Gehalt 
var in ihr thatsächlich jene engste und doch noch aus⸗ 
reichende Form geschaffen, deren eigenartige Schönheit wie die 
einer Maschine wirkt. Und wer wollte verkennen, daß gewisse 
—D00——— B. das Weglassen 
des Artikels, wodurch einfache Nomina wie Nomina propria 
wirken können u. dgl., zu rechter Zeit und an rechter Stelle 
angewandt auch in einer Lyrik anderen Stils gewaltig wirken? 
Es ist, wie wenn in Farbensymphonien hier und da stark 
strichhafte Umrisse zu ausgesprochenster Reliefierung verwendet 
werden. Im übrigen aber ist in der symphonischen Dichtung 
auch sonst manches zur Geltung gekommen, was zugleich an 
den Umrißstil erinnert: so die große, einfache Form, die ge— 
drängte Sprache, das konzentrierte Bild, mit einem Worte die 
Kürze, die Unterbringung reichen Inhalts in knappster Form: 
etwaͤs wie das Prinzip der Klingerschen Plastik, um auch hier 
eine jener Analogien mit der bildenden Kunst auszusprechen, die 
ich bei Aussührungen von der Art, wie sie eben gemacht 
wurden, auf Schritt und Tritt herandrängen. 
Indes der Zweig des Idealismus, der eigentlich in der 
hohen Kunst weiter entwickelt wurde, war doch nicht der der 
Rhythmenpoesie, sondern der der symphonischen Dichtung. 
Und hier beginnen nun, zur Wiedergabe zunächst der 
Stimmung, all die tausend Kunstmittel zu spielen, die der sinnen— 
fälligsten Erweichung und persönlichsten Umbildung primitiver 
Empfindungen dienen können. Und innerhalb der Sprache, deren 
weites Bereich an erster Stelle von der Anwendung dieser Kunst⸗ 
mittel durchwebt und durchzogen wird, ist es wiederum vor 
allem der Laut, der zunächst in Anspruch genommen erscheint, 
ind darum überwiegen die musikalischen Elemente. Allein
	        
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