fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Drittes Buch. Der Liberalismus. 
Bastiat stellt, irgendetwas rechtfertigen. Sie ist weiter nichts als 
ein Mäntelchen, das ebenso dazu dient, die schlimmsten Ausbeutungen 
wie die ehrlichsten Geschäfte zu decken, die alle zusammen unter 
seinem Schutze, brevi manu und bunt zusammengewürfelt, unter den 
einen Hut der allgemeinen Harmonie gebracht werden *). 
Trotz dieser gewiß gerechtfertigten Kritik, und* trotzdem man 
den Versuch Bastiat’s, den Wert durch das Wort Dienste zu er 
klären, für verfehlt ansehen muß, bleibt die Formel doch immerhin 
eine höchst geistreiche,’ und man könnte vielleicht sogar sagen, eine 
geniale Eingebung. Der Beweis dafür ist, daß sie Heimatsrecht in 
der volkswirtschaftlichen Sprache erlangt hat: Wir finden sie später 
wieder und dies besonders in der Terminologie der auf ihre strenge 
Methode besonders stolzen hedonistischen und mathematischen Schule: 
dort spricht man beständig von „produktiven Diensten“' und es 
würde viel Mühe kosten, ein anderes Wort zu finden, daß sie alle 
umschließt 2 ). Dieses Wort „Dienste“ ist zwar geeignet, auf Grund 
des Gedankens an ein höheres Interesse und an professionelle Ehre, 
die mit ihm verbunden ist, — so wie man früher sagte „im Dienste 
des Königs!“ — über viele wirtschaftliche Beziehungen der bestehenden 
Ordnung der Dinge Irrtümer aufkommen zu lassen. Auch wirkt es oft 
komisch, mit diesem schönen Worte die Begleichung einer Gasthaus 
rechnung oder die Bezahlung des Steuerzettels zu bezeichnen. Trotzdem 
kann man sich aber kein besseres vorstellen, um das, was die zu 
künftige soziale Ordnung sein sollte, zu bezeichnen. Das Wort 
„Dienste“ drückt ungefähr die gleiche Idee aus, die Auguste Comte 
und viele nach ihm mit dem Worte „soziale Funktion“ ausdrücken 
wollte, oder was Professor Marshall in einer kürzlich gehaltenen 
Kede „die Ritterlichkeit in der Volkswirtschaft“ nennt 8 ). Wenn wir 
versuchen, uns die zukünftige oder doch wenigstens die wünschens- 
J ) Auch ist Bastiat wohl gezwungen, dies selbst znzngeben. „Ich untersuche 
nicht, ob alle Dienste wirklich und gerechtfertigt sind, und ob es den Menschen nicht 
gelungen ist, sich für Dienste bezahlen zu lassen, die sie nicht geleistet haben. Ach, 
du lieber Gott, die Welt ist voll von solcher Ungerechtigkeit!“ (Harmonies. Kap. V, 
S. 157). 
Wenn aber die Welt voll ist von Leuten, die sich für nicht geleistete Dienste 
oder für eingebildete und ungerechtfertigte Dienste bezahlen lassen, wozu soll es 
dann dienen, jeden Wert und alles Eigentum auf einen geleisteten Dienst zu gründen? 
Siehe in der Revue d’Economie Politique von 1887 den Aufsatz Gidb’s 
über La notion de la valeur dans Bastiat. 
2 ) J.-B. Say hatte schon das Wort „Dienst“ (service) angewendet, ohne aber 
damit irgendeine normative Bedeutung zu verbinden, sondern nur um die Beichtümer, 
die in Handlungen bestehen, von denen, die materielle Erzeugnisse sind, zu 
unterscheiden. 
3 ) Economic Journal, März 1907, Social possibilities of Economic 
Chivalry.
	        
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