270
Zweites Buch. Die Gegner.
Nicht nur die heutige Form der Produktivgenossenschaften ist von
Foürier entworfen worden, sondern auch ihr Zweck, der in der Um
wandlung der Lohnarbeit in Teilhaberschaft besteht, wurde von ihm mit
völliger Klarheit bezeichnet. „Als erstes Problem der Volkswirtschaft
sollte man die Verwandlung der Lohnempfänger in beteiligte Miteigentümer
untersuchen“ 1 ).
Weshalb das? Weil diese Verwandlung das einzige Mittel ist, die
Arbeit sowohl anziehend, als auch produktiv zu gestalten, „denn das
Gefühl des Besitzes ist der stärkste Hebel, den man kennt, um zivilisierte
Menschen anzuspornen“ 2 ). „Auch wenn der Arme in „Harmonie“ nur eine
Teilaktie, sei es auch nur ein Zwangzigstel, besitzt, so ist er doch der Mit
eigentümer des ganzen Bezirks. Er kann sagen: Unsere Länder, unser
Palast, unser Schloß, unsere Wälder, unsere Fabriken, alles ist sein Eigen
tum“ 3 ). „Daher kommt es, daß die Ausdrücke Eigentümer und Kapitalist
in „Harmonie“ zu Synonymen werden“ 4 ).
Nicht nur auf Grund seiner Arbeit soll der Arbeitgeber an dem Gewinn
teilnehmen, sondern auch auf Grund seines Kapitals, da er ja Aktionär
ist, vielleicht auch auf Grund seines Talents, da er wie jeder Teilhaber
wählbar ist. Und nicht nur an dem Gewinne, sondern auch an der Ver
waltung ist er beteiligt, sei es als Aktionär oder als erwählter Direktor; —'
es ist genau das, was man in England heute co-partnership, in Frank
reich Sociötö de participation ouvriere 6 ) (und in Deutschland Ar-
beitergewinnbeteiligung — d. Übers.) nennt. Außerdem genießt der
Arbeitende als Mitglied der Konsumgenossenschaft die Vorteile der Pha-
lange und hat auf ihre Leitung Einfluß.
Alles das erscheint zwar ein etwas komplizierter Mischmasch, aber
von dem Gesichtspunkte Fourier’s aus kommt es gerade darauf an, die
Interessen des Arbeiters, des Kapitalisten und des Verbrauchers so zu ver
knüpfen, daß es unmöglich wird, die Fäden des Gewindes wieder auf'
zulösen, und daß jeder Teilhaber in seiner Person alle diese antagonistischen
Interessen vereinigt«). Unter der bestehenden Ordnung stehen diese
3 ) Association Domestique, I, S. 466.
-) Ebenda, I, S. 466. Zu bemerken ist, daß Fourier von den „Zivilisierten 11
(civilises) spricht, womit er sagen will, daß es für alle, die in der Zukunftsstadt Harmonie
leben werden, noch andere, kräftigere Hebel geben wird.
3 ) Unite Universelle, III, S. 517.
•■) Ebenda, III, S. 451.
6 ) Das ist übrigens ein neuer Name, der erst durch das Gesetz vom 26. April 191 7
eingeführt worden ist; dieses Gesetz hat unter diesem Namen eine neue Gesellschafts
form und einen neuen, von dem der Kapitalaktien verschiedenen Aktientypus, die
sog. ,actions de travaii“ geschaffen.
6 ) Das von Fourier erdachte System der Vollgenossenschaft, die gleichzeitig
Konsum- und Produktivgenossenschaft, hat sich also verwirklicht; aber nur, indem
es seine beiden Bestandteile einzeln verselbständigte.
Auf der einen Seite haben sich Produktivgenossenschaften gebildet, die ah er