Object: Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

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Geldwirtschaft an sich zurückgeführt werden dürfe, daß oft ganz 
besondere Umstände dabei mitspielten. Er verwies auf die Osna- 
brücker Domherren, die infolge der Kumulation von Benefizien 
nicht mehr die alte Residenzpflicht einhielten und daher statt der 
alten Naturallieferungen lieber eine Geldleistung bezogen, weil 
dadurch die Nachteile, welche mit der Naturallieferung verknüpft 
waren (Aufbewahrung, bzw. Transport), vermieden wurden**). 
Dieses Beispiel ist freilich m. E. nicht sehr beweiskräftig, da doch 
immerhin als Motiv der Umwandlung eine jüngere Entwicklung 
der kirchlichen Verfassung anzusehen und somit diese doch bis 
zu einem gewissen Grade die vorgeschrittenere ist. Aber die These 
selbst bleibt bestehen, und es lassen sich andere überzeugendere 
Belege dafür finden. Aus dem oben bereits vorgebrachten Quellen- 
material greife ich jene Geldzahlungen heraus, die schon in der 
Karolingerzeit, aber auch später wieder bei Mißwachs des Weins 
oder Getreides geleistet wurden*®). In solchen Geldzinsen ist sicher- 
lich kein Fortschritt der Geldwirtschaft zu erblicken, es war viel- 
mehr eine Sicherungsmaßregel für den Zinsbezug seitens der 
Grundherrschaften, die nicht etwa erst dieser jüngeren Zeit (10. 
bis 12. Jahrhundert)”) eigentümlich ist. 
Zweitens aber darf man sich, trotz der unzweifelhaft weiteren 
Ausbreitung der Geldwirtschaft, keine zu großen Vorstellungen 
von dem Geldvorrat selbst im ı2. Jahrhunderte machen. Noch 
im Jahre 1190 hatte der zum Erzbischof von Trier erwählte Prälat 
(Johann) so wenig Bargeld, daß er die für das Pallium in Rom zu 
bezahlenden Summen nicht damit decken konnte. Er ersuchte das 
Domkapitel, um nicht Wucherern in die Hände zu fallen, ihm 
goldene Kunstwerke der Domkirche zu überlassen und ver- 
pfändete diesem dafür drei Wirtschaftshöfe. Als Wert des Edel- 
metalls werden nicht ganz 11'/, Mark Gold angegeben®”). 
Dazu stelle ich, was über die Hinterlassenschaft des berühmten 
Erzbischofs Bruno v. Köln (ft 965) verlautet. Neben einem Schatz 
von Kirchengeräten aus Gold und Silber sowie kostbaren Ge- 
weben waren bar nur vorhanden 902 & Silber und 5 &% Gold®®). 
%) Probleme d. Wirt. Gesch. 653 f. 
%) Vgl. oben S. 138. 
») Vgl. oben S. 152 f. 
97) Mittelrhein. UB. 2, 140. 
®) Vgl. die vita Brunonis von Ruotger c. 49. MG. ss. rer. germ. in us. scholar.
	        
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