Full text : Der Weltmarkt 1913 und heute

Die hohen Steuern

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sind. An dieser Belastung sind „Sieger“-Länder ebenso beteiligt
wie Besiegte. Es ist eine bekannte historische Erscheinung, daß gewonnene
 Kriege einer stärkeren Berücksichtigung der sozialen
Wünsche der Massen entgegenkommen. Die Massen, welche sich
zur „Erringung des Sieges“ bereitgefunden haben, verlangen als
Gegengabe eine stärkere staatliche Fürsorge und pflegen sie zu erhalten.
 Allein 70 Millionen Pf. Sterling, also 1400 Millionen Goldmark
 wurden für die Jahre 1923/24 von dem englischen Ministry
of Pensions an. Kriegspensionen und Unterstützungen gefordert. Die
neuen Arbeitslosenversicherungsgesetze (1920—1923) belasten den
englischen Staat mit 3°/3—86%/, Pence pro Arbeitslosen in der Woche,
während über die gewaltige Steigerung derselben seit 1913 (heute
ca. 1300000) bereits von uns berichtet wurde. Im Budget Großbritanniens
 figurierte im Budgetjahre vor dem Kriege auf der Ausgabenseite
 der Voranschlag mit 199011000 Pf. Sterling, im Jahre
1924 dagegen mit nicht weniger als 829 759 000%, und dabei war diese
Ziffer bereits ein wesentlicher Rückgang gegenüber den Vorjahren.
Dieses Mehr mußte in erster Linie durch Einkommensteuererhöhung
gedeckt werden, Die Einnahmen aus dieser und ihr verwandter
Steuern betrugen im Jahre 1913/14 (Budgetjahr) 47241000 Pf. Sterling,
 dagegen im Jahre 1923/24 333180000 Pf. Sterling, während
die Einnahmen aus indirekten Steuern sich keineswegs in diesem
Tempo erhöhten.?) Nach allem, was wir bereits. über die Lage der
englischen Wirtschaft und insbesondere des englischen Handels und
der Industrie sagen konnten, ist diese Mehreinnahme nicht etwa aus
einer entsprechenden Steigerung des Reineinkommens erzielt worden,
 sondern lediglich durch ein stärkeres Anziehen der Steuerschraube.
 Es ist angesichts dieser Belastung der Industrie durchaus
 nicht verwunderlich, wenn alle englischen Industrieverbände
— voran der Spitzenverband: die Federation of British Industries —
eine Herabsetzung der Besteuerung als grundlegendes Erfordernis
der Ermäßigung der Erzeugungskosten bezeichnen.?)
In den „besiegten“ Ländern kommt zu dem Erfordernis einer er-35)

 Vgl. für die Angaben über englische Sozialausgaben und Finanzen
 Statesmans Yearbook 1925. S. 32—833, 34 u. 38.
36) Vgl. einen beachtenswerten Aufsatz von Dr. v. Kries: „Die Zukunft
 der englischen Industrie.“ Arbeitgeber vom 1. August 1925. S.369,
            
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