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Viertes Buch. Die Abtrünnigen.
Spielers, aber er kann nichts dagegen einwenden. Alles verläuft ordnungs
mäßig. Sicherlich weiß der Kapitalist in seiner Schlauheit sehr gut, daß
er, indem er die Arbeitskraft kauft, ein gutes Geschäft macht, weil sie die
einzige Ware, das einzige Instrument ist, das die mysteriöse Kraft be'sitzt,
eine Wertquelle zu sein und mehr Wert zu erzeugen, als sie in sich selbst
besitzt 1 ). Der Kapitalist hat, wie Marx sagt, „den Casus, der ihn lachen
macht, vorgesehen“ (Kapital, IV.Ausg. S.157; Anm. d. Übers.). Jedoch
„liegt hierin ein besonders günstiger Zufall für den Käufer, der in Nichts
die Rechte des Verkäufers verletzt“, und der infolgedessen dem Arbeiter
keine Möglichkeit einer Klage auf Schadenersatz gibt, und zwar nicht
nur vom rechtlichen, sondern auch vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt
aus, — ebenso wenig wie einem Bauer, der eine Kuh verkauft, die, ohne
daß er es weiß, trächtig ist!
Bis jetzt haben wir nur von der Arbeit gesprochen, aber die Haupt
person, der Held des Buches von Karl Marx, ist das Kapital, wie ja auch
der Titel besagt. Unsere Darlegung der marxistischen Lehre über die Pro
duktion würde daher sehr unvollkommen sein, wenn wir nicht auch aus
führten, wie Marx die Rolle des Kapitals in der Produktion versteht.
An und für sich ist das Kapital selbstverständlich und ohne jede
Frage steril, da ja die Voraussetzung lautet, daß die Arbeit allein den
Wert schafft. Die Arbeit kann aber ihre produktiven Fähigkeiten nicht
ausüben, ohne eine gewisse Menge Kapital zu verbrauchen, und es kommt
darauf an, zu erfahren, wie das Kapital sich mit der Arbeit verbindet-
Marx unterscheidet im Kapital zwei Teile:
1. Denjenigen, der dazu dient, die Arbeiterbevölkerung in Gestalt
von Löhnen oder Existenzmitteln zu erhalten. Die alten Ökonomisten
nannten dies den Lohnfonds, und er selbst nennt es das variable Kapital-
Wenn dieses variable Kapital auch nicht selbst produziert, so erzeugt eS
doch, indem es von der Arbeit verbraucht wird, den Wert und den Mehr'
wert. —
2. Denjenigen, der einfach dazu dient, die Arbeit in Gestalt von
Werkzeugen, Maschinen, Gebäuden und so weiter zu unterstützen, und
den Marx das konstante Kapital nennt. Da es nicht wie das and ere
von der menschlichen Arbeit absorbiert und belebt wird, kann es keinen
Mehrwert hecken. Es produziert nichts, aber es reproduziert doch etwas»
nämlich seinen eigenen Wert, in dem Maße wie dieser im Laufe des P f °'
duktionsprozesses verbraucht wird. Tatsächlich ist dieses konstant
Kapital offenbar selbst nur das Produkt einer Arbeit; es ist geronnene
] ) „Es ist also eine Naturgabe der sich betätigenden Arbeitskraft, der lebendig®®
Arbeit, Werte zu erhalten, indem sie Wert zusetzt ... die Erhaltung des vorhanden
Kapitalwerts“ (S. 173, I. Aufl.). „Der Kapitalist hat durch den Kauf der Arbeitskr^
die Arbeit selbst als lebendigen Gärungsstoff den toten von ihm gleichfalls besesse
Bildungselementen des Produktes eiiiverleibt“ (S. 150, I. Aufl.).