Metadata: Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie

land eröffnen. Die Nachbarländer haben fast alle ihr Schrottausfuhr- 
verbot; das unterbindet meist den Bezug aus dem Ausland, 
Die  rheinisch-westfälischen Siemens-Martin-Stahl-Betriebe liegen 
überwiegend innerhalb eines Gebietsdreiecks, das durch die Städte Dort- 
mund im Osten sowie Düsseldorf und Hamborn im Westen begrenzt 
wird. Innerhalb dieses Gebietsdreiecks liegen als Hauptstandorte der 
Siemens-Martin-Stahl-Erzeugung Dortmund, Bochum, Essen, Ober- 
hausen, Mülheim (Ruhr) und Duisburg-Ruhrort-Meiderich; in nächster 
Nähe Köln, Krefeld, Rheinhausen Haspe und. Hagen. - ; 
Die großen Eisen- und Stahlkonzerne des Ruhrgebiets haben ihre 
Walzwerke in unmittelbarer Verbindung mit den Siemens-Martin-Stahl- 
Betrieben, so daß der frische Walzwerksschrott ohne Frachtaufwand zu 
den Siemens-Martin-Stahl-Betrieben gelangt. Der zusätzliche Bedarf 
an Schrott kann größtenteils im Umkreis von etwa 100km gedeckt 
werden. Denkt. man sich um. das obenerwähnte Gebietsdreieck Dort- 
mund—Düsseldorf—Hamborn einen Umkreis von 100km Radius, so 
erreicht man im Norden des Ruhrgebiets annähernd die ‘Stadt Osna- 
brück, im Osten Bielefeld und das Gebiet von Waldeck, im Süden Siegen, 
Koblenz und Jünkerath in der Eifel, im Westen Aachen mit der bel- 
gischen .Grenze, und in nordwestlicher Richtung liegt ungefähr die 
Hälfte von Holland in dieser Zone. 
Natürlich kommen für das Ruhrgebiet auch Schrottbezüge auf Ent- 
fernungen über 100 km bis auf 200 und 300 km in Frage. Vielfach wird 
aber wegen der billigeren Wasserfracht die Rheinwasserstraße benutzt. 
In den Jahren 1913 bzw. 1925 verzeichneten die Rhein-Ruhr-Häfen von 
Duisburg-Ruhrort und Umgebung eine Anfuhr von 280000 bzw. 
170000 t Schrott, von denen ungefähr 137000 bzw. 57000 t 
aus ober- und mittelrheinischen Häfen stammten, während der über- 
wiegende Teil aus Holland, insbesondere aus Rotterdam und Amsterdam, 
gekommen ist. 
Eine Verschlechterung der Lage ergab sich für Rheinland-West- 
falen aus dem Verlust Lothringens und dem Austritt Luxemburgs aus 
dem deutschen Zollgebiet. Der gesamte Eisenbahnversand Lothringens 
an Schrott bezifferte sich 1913 auf 170000 t, von denen über 
156000 t nach den rheinischen Schrottverbrauchsgebieten ge- 
liefert wurden. Der Versand Luxemburgs an die rheinisch-westfäli- 
Schen Verbraucher betrug 1913 über 132000. t. Heute ist der 
Schrottbezug aus dem französischen Zollgebiet für Rheinland-West- 
falen infolge der scharfen Handhabung des französischen Ausfuhrver- 
bots gesperrt, und auch in Belgien ist ein Schrottausfuhrverbot in Kraft. 
Die Freizügigkeit des Schrotte ist in den Ländern westlich von Deutsch- 
land stark behindert. Im Osten‘ Deutschlands liegen die Verhältnisse 
Noch ungünstiger, wie später gezeigt werden wird. 
Die Eisenbahnfrachten für Schrott waren nach der 
Markstabilisierung zunächst auf annähernd das Doppelte der Vorkriegs- 
frachten erhöht worden. Im Laufe des Jahres 1924 wurden sie einmal 
um 8 % und zweimal um je 10 °/, insgesamt. um 26*/; °/ ermäßigt. Die 
Entwicklung der Frachten geht aus folgender Zusammenstellung hervor: 
350
	        
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