120
statt. Die Export- bezw. Importpunkte für Gold fallen un
gefähr mit denjenigen für Silber zusammen, da letztere den
Abstand der Kurse vom Goldwert der Geldeinheit, also auch
den Kursabstand von dem Wert einer entsprechenden Geld
menge angeben, und da ferner die Spesen für Goldtrans
porte nicht wesentlich anders sind.
Zur Beurteilung der Wirtschaftslage in China während
der Jahre 1907—1910 sei den bereits an anderer Stelle über
die allgemeine Wirtschaftslage im Osten gemachten Aus
führungen folgendes ’) hinzugefügt.
Schon 1906, also vor Beginn der behandelten Periode, sind
mancherlei ungünstige Ereignisse zu verzeichnen. Die Silberpreis
bewegung vollzog sich in außerordentlichen und rasch wiederkehren
den Schwankungen, deren größte 129s °/o betrug. In Hongkong wurde
anfangs das. Geschäft durch die im Süden Chinas durch eine Miß
ernte des Hauptnahrungsmittels Reis verursachte Hungersnot ge
lähmt; im September brachte ein Taifun dem Handel starken Ab
bruch, indem große Mengen beschädigter Güter auf dem Auktions
wege den Markt für längere Zeit verdarben. Weiterhin brachten
umfangreiche Kontrakte auf Garn und Baumwollwaren, die auf
niedriger Silberbasis abgeschlossen waren und dazu einem flauen
Markt begegneten, viele chinesische Händler zu Fall, Endlich
drückte in immer stärkerem Maße die jede Grenze überschreitende
Prägung von Kupferkäsch und Silberaushilfmünzen seitens der chine-
sichen Provinzialregierungen auf den gesamten Markt, während der
Geldmangel in Europa mit einem ausnahmsweise leichten Geldstand
in China zusammenfiel.
Das Jahr 1907 ist als eins der denkwürdigsten in der wirt
schaftlichen Entwicklung zu bezeichnen. Es begann mit bedeutenden
Lagerbeständen, die schwer Absatz fanden. Dazu kamen der uner
wartet und plötzlich einsetzende Silbersturz von rund 25 °/o und die
Weltkrisis. Unter dem ersteren Ereignis litt namentlich der Import,
während gleichzeitig der Export durch die stockende Kaufkraft der
amerikanischen und europäischen Märkte beeinträchtigt wurde. Für
die bedeutendsten Exportartikel Chinas, wie Seide, Wolle, Kuhhäute
und Ziegenfelle ergaben sich Preisrückgänge bis zu 40 °/o, also mehr,
als der in Einzelfällen denkbare Gewinn aus dem Silberrückgang.
Das Jahr 1908 stand unter den Einwirkungen des Vorjahres. Das
Geschäft litt unter Zahlungseinstellungen, einer mehr als unbefriedi
genden Lage des Seidenmarktes und Krediteinschränkungen im
Norden Chinas. Die weiter fortgesetzte Ausgabe ungeheurer Mengen
unterwertiger Kupfermünzen und die Ausgabe erheblicher Papier
geldbeträge ohne entsprechende Barreserve seitens der chinesischen
Banken erhöhten die Schwierigkeiten. Im Gegensatz dazu stand die
1) Nach den Geschäftsberichten der Hongkong and Schanghai
Banking Corporation und denjenigen der Deutsch-Asiatischen Bank,