Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Fernsprechleitungsanlagen.  Stadt-  und  internationaler  Verkehr.  859
Verbindungen,  auf  welchen  gesprochen  und  telegraphiert  wird,  sind  zu  nennen:  Köln-Frankfurt
  (Main),  London-Paris,  Brüssel-Paris.  Das  Doppelsprechen  ist  besonders
sorgfältig  in  der  deutschen  Reichstelegraphenverwaltung  ausgebildet  und  findet  selbst  auf
den  längsten  Fernsprechlinien  Anwendung,  z.  B.  zwischen  Berlin  und  Hamburg,  Berlin
und  Köln,  Berlin  und  Breslau,  Hamburg  und  Magdeburg  u.  s.  w.
Die  erste  Fernsprechverbindung  für  den  internationalen  Verkehr  ist  im  Jahre
1885  zwischen  Deutschland  und  der  Schweiz,  und  zwar  zwischen  den  Stadtfernsprechnetzen
in  St.  Ludwig  (Elsaß)  und  Basel  ins  Leben  gerufen.  Dieser  Vorgang  gab  der  deutschen
Reichstelcgraphenverwaltung  Veranlassung,  gelegentlich  der  internationalen  Telegraphenkonferenz ­
  zu  Berlin  im  Jahre  1885  eine  allgemeine  Regelung  des  internationalen  Fernsprechverkehrs ­
  herbeizuführen.  Es  wurde  festgesetzt,  daß  die  Verbindungsleitungen  bei
jeder  der  in  Betracht  kommenden  Verwaltungen  in  eine  Bermittelnngsanstalt  eingeführt
werden  sollen,  und  daß  es  den  Teilnehmern  zu  gestatten  sei,  von  ihren  Fernsprechstellen
aus  in  wechselseitigen  Verkehr  zu  treten.  Diese  Bestimmung  ist  von  großer  Wichtigkeit,
da  der  Fernsprecher  nur  dann  in  ganzem  Umfange  zur  Ausnutzung  gelangen  kann,  wenn
die  Teilnehmer  in  der  Lage  sind,  sich  desselben  jederzeit  bedienen  zu  können.  Die  Festsetzung ­
  der  Gebühren  ist  dem  Ermessen  der  Verwaltungen  überlassen,  dagegen  ist  die
Dauer  eines  Gesprächs  allgemein  auf  fünf  Minuten  begrenzt
worden.  Diese  Bestimmungen  sind  im  wesentlichen  auch  auf  der
Budapester  Telegraphenkonferenz  im  Jahre  1896  aufrechterhalten ­
  worden,  nur  daß  die  Gesprächsdauer  von  fünf  auf  drei
Minuten  herabgesetzt  worden  ist.  Wie  sich  inzwischen  der  internationale ­
  Fernsprechverkehr  entwickelt  hat,  ist  schon  weiter  oben
erörtert  worden.  Danach  darf  man  wohl  schon  jetzt  der  Zuversicht ­
  Ausdruck  geben,  daß  der  Fernsprecher  als  internationales ­
  Verkehrsmittel  eine  gleiche  Wichtigkeit  erhalten  wird,  wie
sie  derselbe  im  inneren  Verkehr  der  Völker  bereits  erlangt  hat.
Besondere  Schwierigkeiten  bei  Herstellung  von  Stadtferneinrichtungen
  bietet  die  Führung  der  Teilnehmerleitungen
nach  der  Vermittelungsanstalt  und  die  Einrichtung  der  letzteren.
Für  die  Konstruktion  der  Teilnehmerleitungen  hat  man  von
Anfang  an  die  oberirdische  Führung  der  Leitnngsdrähte  ins
Auge  gefaßt  und  dieselben  teils  an  Stangen  befestigt,  welche  in
den  Straßen  Aufstellung  gefunden  haben,  teils  mittels  hölzerner  oder  eiserner  Träger
über  die  Dächer  der  Häuser  fortgeführt.  Diese  Methode,  welche  auch  jetzt  noch  die
allgemeine  ist,  bietet  mannigfache  Unzuträglichkeiten  namentlich  in  den  größeren  Städten,
in  welchen  elektrische  Bahnen  und  Lichtanlagen  vorhanden  sind.  Es  sind  daher  auch
bereits  vor  längerer  Zeit  Versuche  angestellt  worden,  die  oberirdischen  Bronzedrahtleitungen ­
  durch  Kabel  zu  ersetzen.  Hierbei  ergab  sich  indes,  daß  bei  Verwendung
von  Kabeln  auf  größere  Entfernungen  die  Lautwirkung  der  Fernsprecher  erheblich  geschwächt ­
  und  außerdem  in  den  benachbarten  Kabelleitungen  so  starke  Induktion  erzeugt
wurde,  daß  das  in  einer  Leitung  Gesprochene  in  den  anderen  Leitungen  mitgehört
und  verstanden  werden  konnte.  Die  Bestrebungen  der  Technik,  die  Induktion  zu  beseitigen, ­
  wurden  bis  zu  einem  gewissen  Grade  von  Erfolg  begleitet,  indem  es  der
Firma  Felten  &  Guilleaume  in  Mühlheim  (Rhein)  gelang,  durch  Umwickclung  der  einzelnen ­
  Kabeladern  mit  Stanniolstreifeu  induktionsfreie  Kabel  von  einigen  Kilometern
Länge  herzustellen.  Dagegen  ließ  sich  gegen  die  Verschlechterung  der  Verständigung,
welche  auf  den  Verbrauch  eines  Teils  der  Sprechströme  zur  Ladung  der  Kabel  zurückzuführen ­
  ist,  ein  Mittel  zunächst  nicht  auffinden.  Erst  in  neuerer  Zeit  ist  dieser  Übelstand
durch  Herstellung  von  Kabeln  mit  Papier-  und  Luftisolation  nahezu  beseitigt  worden.
Dadurch  ist  die  Verwendung  unterirdischer  Kabelleitungen  auch  auf  größere  Entfernungen
ermöglicht,  und  man  ist  in  der  That  bereits  vielfach  dazu  übergegangen,  an  Stelle  der
oberirdischen  Leitungen  Kabelleitungen  zu  verlegen.  Bei  Einführung  der  Teilnehmerleitungen ­
  in  die  Vermittelungsanstaltcn  leisten  die  Kabel  besonders  ersprießliche  Dienste.
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