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dieser Richtung hin tätig sind. Schon das Interesse an möglichst
glatter Durchführung des Kartellzweckes hat in manchen Fällen —
und zwar nicht nur in neuerer Zeit, sondern auch früher schon —
dahin geführt, daß bei den Mitgliedern gleiche Kalkulationsmethoden
eingeführt, daß die Fabrikate, die Sortimente usw. vereinheitlicht
wurden, daß man an Stelle der Marken der einzelnen Firmen eine
einheitliche Verbandsmarke einführte und dgl. Ebenso hat man
natürlich darauf hingewirkt, daß bei der Versendung möglichst nie-
drige Frachtkosten entstanden, Über diese Maßnahmen, die einfach
Mittel zur Erreichung des Kartellzweckes waren, sind gewiß auch
einzelne Kartelle hinausgegangen und haben — auch das nicht erst
neuerdings, sondern schon seit langem, man denke z. B. an die Pro-
pagandatätigkeit des Kalisyndikats — Maßnahmen zur Verbesserung
der Produktion, zur Vergrößerung und Verbilligung des Absatzes
ergriffen: aber eine allgemeine Erscheinung ist das nicht. Vor
l) Eine Anerkennung dieser Tatsache findet sich in Nr. 4 der Schriften der Kar-
tellstelle des Reichsverbandes der Deutschen Industrie (Jan. 1928). Dort sagt auf
S.ı3f. Flechtheim: „Wenn man das zur Verfügung stehende Material betrachtet,
hat man das Gefühl, daß zwar schon wertvolle Ansätze vorhanden sind — und zwar
in einigen Industrien mehr, in andern weniger —, daß man aber noch weit davon ent-
fernt ist, die Tendenz der Wirtschaftlichkeitsförderung als Allgemeingut der Kartelle
betrachten zu können. Wenn deshalb neuerdings von wissenschaftlicher Seite der Typus
des modernen Kartells als ‚Wirtschaftlichkeitsgemeinschaft‘ charakterisiert wurde, so
ist das zum mindesten eine außerordentlich starke Übertreibung. Es wird ein Zustand,
den der Verfasser wünscht, der aber nach meiner Ansicht, wenigstens in vielen Industrie-
zweigen, überhaupt nicht erreichbar ist, schon als bestehend hingestellt.“
Das gleiche Resultat ergibt sich aus der im Dezember 1929erschienenen Schrift Nr. 5
der gleichen Kartellstelle. (‚‚Produktionsförderung durch Kartelle.‘) Der hier gegebene
Auszug aus einer Materialsammlung über Produktionsförderung der Kartelle ist, wenn
man die Gesamtheit der deutschen Kartelle ins Auge faßt, reichlich dürftig. Die Kar-
tellstelle trägt dem übrigens in ihrem Vorwort in durchaus verständiger Weise Rech
nung. Es heißt dort: ‚,‚Aus Kreisen der Wirtschaft tauchte die Vermutung auf, daß
die Marktregelung in erster Linie den Rohstoff- und Halbzeug-Kartellen vorbehalten
sei, während die höher zu bewertende Produktionsförderung ihre Domäne in der verar-
beitenden Industrie hätte. Einige Befürworter dieser Produktionstätigkeit der Kartelle
wollten auf diesem Aufgabengebiet bereits derartige Fortschritte sehen, daß man von
einer Wesensänderung der Kartelle sprechen könne. Hier seien derartige schiefe und
irreführende Urteile lediglich registriert. Ihre Zurückführung auf ein den Tatsachen
entsprechendes Maß soll sich aus nachstehendem Material ergeben.‘ Das Vorwort
schließt dann allerdings mit folgenden Sätzen: „Insgesamt kann auf Grund des
der Kartellstelle vorliegenden und auch des nachstehend veröffentlichten Materials
festgestellt werden, daß die Kartelle bei Vorhandensein der notwendigen Voraussetzun-
gen in der Lage sind, unmittelbar produktionsfördernd zu wirken und bereits in großem
Umfange nicht nur mittelbar, sondern auch unmittelbar die Produktion verbessert
und verbilligt haben. Die Kartelle haben somit in organischer Fortbildung gemäß den
Passow. Kaırtelle.