Bedürfnis und lvert.
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Boden; ihnen gegenüber verhält sich der wirtschaftende Mensch
gleichgültig, er braucht sich um sie nicht zu bemühen. Der bei
weitem größte Teil aller Güter aber ist nicht frei, sondern nur in
beschränkter Menge vorhanden, ünd zwar gilt das sowohl von
solchen Gütern, die zum unmittelbaren Genuß bestimmt sind, wie
von denen, die der Produktion dienen (Werkzeuge, Rohstoffe).
Die Beschränktheit des Gütervorrats, der durch
den verbrauch immer wieder vermindert wird,
bedingt nun die eigentliche Arrfgabe des Wirt
schaftsmenschen; er muß unter den zu konsumierenden
Gütern wie unter den zu produzierenden eine Auswahl treffen,
und zwar handelt es sich dabei sowohl um die verschiedenen
Güterarten wie um die (Quantitäten der einzelnen Güterart.
Dieses Auswahlprinzip, dieser Maßstab heißt wert. Pier ist
einer der umstrittensten Punkte der Wirtschaftstheorie, wir
können nur auf die Pauptpunkte dabei eingehen; die Literatur
über das Wertproblem ist zu reich, um hier auch nur andeutungs
weise nach ollen Richtungen hin charakterisiert werden zu können.
wenn ich sage, ein Gut habe den und den wert; so meine ich
im täglichen Spracbgebrauch den preis. Es ist aber klar, daß ich
einen Preis nur zahle, weil das Gut Eigenschaften hat oder ich
sie ihm beilege, welche die Zahlung eines Preises rechtfertigen;
für einen wertlosen Gegenstand zahlt man nichts. Der wert
ist also eine voraiwsetzung des Preises; auch solche Gegenstanoe
haben wert, die nicht verkauft werden und infolgedessen auch
keinen preis haben, wie etwa die Aunstgegenstände in einem
staatlichen Museum oder die Erzeugnisse eines verkehrsfernen
Bauernhofes, die von der Bauernfamilie selbst aufgebraucht
werden. , , r ,
wo steckt nun der wert? Die Klassiker gaben zur Ant
wort: in den Kosten (wenn sie daneben auch andere Erklärungen
«oben) Dabei sind wieder zwei Richtungen zu verzeichnen. Dw
eine von A d a m S m i t h und R i c a r d o ausgehend, setzt den
wert aleich der 2lrbeit; Karl Marx bildet dann diese reme
2lrbeitswerttheorie in dein Sinne weiter, daß er den wert nrcht
qleich der wirklick auf ein Gut verwendeten Arbeit setzt, bte ,a
bei Ungesckick des Arbeiters viel zu groß fein kann, sondern gleich
der nach dem jeweiligen Stande der Produktionsbedingungen und
der Technik notwendigen 2lrbeitszeit. Ricardo verließ spater
die reine Arbeitswerttheorie und berücksichtigte auch andere, pro-