DIE PROPAGANDAWIRKUNG DES NAMENS 399
besser, wenn der übelbeleumundete Name ganz von der Bild-
fläche verschwindet und nichts mehr an ihn erinnert. Oder,
wenn in der Stadt ein zweites Hotel mit einem sehr ähnlich
klingenden Namen besteht, der leicht zu Verwechslungen
Anlaß gibt, oder, wenn politische und nationale Vorgänge auf
die Sprache und damit auch auf die Namensgebung einwirken.
Sonst aber überlegen sie sich das Umtaufen reiflich. Man darf
Nicht vergessen, daß der alte Name des Hauses in zahlreichen
Reiseführern, Reklamewerken und dergleichen steht, die
keineswegs alle Jahre in neuer Auflage auf dem Markte
erscheinen. Es ist nicht immer gewiß, daß ein Reisender, der
auf dem Bahnhof einen Gepäckträger oder Kommissionär oder
Chauffeur nach dem umgetauften Hotel fragt, von diesem auch
den korrekten Bescheid erhält, daß dieses Haus wohl noch
bestehe, nur jetzt anders heiße. So mancher Reisende ist bei
Solchen Gelegenheiten in ein anderes Hotel verschleppt worden.
„Name ist Schall und Rauch!‘“ 1äßt Goethe seinen Faust
sagen, als er im Garten der Frau Martha mit Gretchen prome-
nierte. Für das moderne Hotel trifft das keineswegs zu. Dieses
Sollte sich vielmehr an den Ausspruch des Lateiners Plautus
halten, der schon ein Vierteljahrtausend vor Christi Geburt
ausgerufen hat: Nomen atque omen! = Name und zugleich
Vorbedeutung. Der Name des Hotels soll zugleich Vorbedeutung
Sein und verkünden, für welche Klasse von Gästen es bestimmt
ist, Wurde der Name geschickt und treffend gewählt, so liegt
darin eine wirksame Reklame. Und das ist schon etwas, ja,
Viel wert.
Man stelle sich die Wirkung vor, wenn auf dem wirkungs-
vollen Plakat eines Hotels, das an geeigneten Stellen (in
befreundeten Hotels zum Beispiel) zum Aushang kommt, auch
ein ebenso wirkungsvoller, tönender Name figuriert. Es ist
doppelte Reklame.