Metadata: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

heit um ein bedeutendes. Im Altertum und auch im Mittelalter war eine derartig 
primitive Kriegführung zum Teil deshalb möglich, weil die jeweils notwendigen 
Mittel in Freundes- und Feindesland rücksichtslos eingetrieben wurden, wenn 
man sie eben brauchte.®®) Die moderne, geordnete Finanzwirtschaft führte dazu, 
die Kriege vorwiegend mit Anleihen und Steuern zu führen, deren Wirkungen 
zwar oft, aber noch immer nicht ausreichend systematisch untersucht wurden. 
Während die Steuern sich auf alle Kreise der Bevölkerung verteilen, bringen 
innere Anleihen den Inhabern der Obligationen einen Zinsengewinn, der meist 
aus den Steuern bezahlt werden muß. Auch ist der Kursgewinn nicht selten 
erheblich, da Kriegsanleihen meist tief unter pari begeben werden müssen. 
Am stärksten tritt dieser Kontrast hervor, wenn die Anleihen nur von einigen 
wenigen gekauft werden, während bei einer weitgehenden Demokratisierung des 
Staatskredits, wie wir dies in Frankreich sehen, schon der Mittelstand, wenn 
auch weit schwächer als die wohlhabenden Kreise, an den Vorteilen beteiligt 
ist. Während die Steuern das Publikum progressiv belasten, werden die Vorteile 
bei den Anleihen unter die einzelnen Klassen degressiv von oben nach unten 
verteilt. Es wird daher von vielen eine Besteuerung jener vorgesichlagen, 
die sonst Anleihen kaufen würden. Wenn z. B. H. George®^) etwas Der 
artiges fordert, so schweben ihm namentlich amerikanische Verhältnisse vor. 
Im Freiheitskrieg gegen England waren nämlich die Reichen des Nordens in 
der Lage gewesen, Obligationen zu kaufen, während der ärmere Süden nur 
Steuern zahlte.®®) Nach dem Krieg mußten gewissermaßen die armen Südstaaten 
die reichen Nordstaaten dafür belohnen, daß sie in der Lage gewesen waren, 
Obligationen zu kaufen. 
Gegenüber Steuern wird vielfach geltend gemacht, daß sie nur schwer 
einzutreiben seien ; namentlich bestehe die Gefahr, daß Metallgeld versteckt 
oder gar ins Ausland transportiert werde. Eine weitgehende Ver 
mögensbesteuerung wäre nur durchführbar, wenn schon 
in Friedenszeiten Girogeld das normale Zahlungsmittel 
wäre und die Girokonten die Anlegung einer Art Geldkata 
ster ermöglichten. Im Kriegsfall würde dadurch die Be 
steuerung oder die Aufnahme einer Zwangsanleihe bei 
bestehender oder aufgehobener Einlöslichkeit des Giro 
geldes sehr erleichtert werden. 
Die Anleiheaufnahme kann dazu führen, daß Güter, welche die Volks 
wirtschaft heute besitzt, aber nicht in Umlauf bringen kann, weil die Zahlungs 
mittel fehlen, dadurch frei werden. Der Staat vermag Kredit zu gewähren 
und die Gelder dorthin zu lenken, wo man ihrer bedarf. Es können so jährliche 
Geldüberschüsse erzielt werden, welche die Rückzahlung in der Zukunft er 
möglichen. Es ist nicht einmal nötig, daß in Zukunft eine Mehrproduktion 
an Gütern stattfindet oder daß sich das Realeinkommen der Gesamtheit erhöht; 
es genügt, wenn die Geldeinnahmen, welche dem Staat zur Verfügung stehen, 
zunehmen. Nimmt man im Auslande eine Anleihe auf ®®) und kauft dafür Waren, 
so kann die Rückzahlung der Anleihe dadurch erfolgen, daß man selbst Waren 
produziert, sie dem Auslande liefert und das so erhaltene Geld zur Bezahlung 
der Schuld und ihrer Zinsen verwendet, ln diesem Falle kann man mit vollem 
Recht sagen, das Inland habe die Güter der Gegenwart geWrgt und mit Gütern 
der Zukunft bezahlt. Die Rückzahlung kann aber erfolgen, ohne daß irgendeine 
Produktionsverschiebung eintritt. Im Inland kann nämlich ein Bedarf an Zah 
lungsmitteln herrschen, weil die Zirkulation zu langsam ist. Angenommen, die 
Anleihe vermehrt die Umlaufsmittel, erhöht die Preise und erhöht dement 
sprechend die Steuern. Die Umlaufsgeschwindigkeit kann nun wachsen, so 
®®) Vgl. die Erhebung von Kontributionen durch die Athener. Xenophon, 
Geschichte von Hellas. I, 1. 
®^) H. George, a. a. O. S. 152 f. 
®®) C. V. Hock, a. a. O. S. 404. 
®ä) Es sind hier nicht formell äußere Anleihen zu verstehen, die eventuell 
schließlich im Inland plaziert werden.
	        
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