Bevrorschussung der Goldeinfuhr, im Hinblick auf den
internationalen Markt weiter die Devisenpolitik (s. S. 277 £.). Dem
entspricht für den Binnenmarkt die open market-Politik (0 ffene
Markt-Operationen). Effekten und Wechsel werden von
den Notenbanken am offenen Markt gekauft und verkauft, um da-Jurch
Fühlungnahme mit dem Markt zu gewinnen und auf die Höhe des
Zahlungsmittelumlaufs einzuwirken.
Die Deutsche Reichsbank hat, um den Geldmarkt zu verknappen,
d. h. um die Geldflüssigkeit zu bekämpfen, vor dem Kriege
Schatzanweisungen (Schatzwechsel), die das Reich bei ihr diskontiert
hatte, verkauft. Wurden diese Schatzanweisungen ohne oder nur mit geringer
Erhöhung des Privatdiskontsatzes schlank aufgenommen, so war
dies ein Zeichen großer Geldflüssigkeit; bei einer größeren Marge zwischen
Bankdiskont und Privatdiskont zog die Reichsbank daraus die Folgerung,
daß ihr Diskontsatz zu hoch sei und setzte ihn herab. Stieg aber
durch ihre Abgaben von Schatzwechseln der Privatsatz, so wurden ihr,
bei der geringer werdenden Marge, wieder mehr Wechsel zum Diskont angeboten.
In den Jahren 1924/25 hat die Reichsbank, ebenfalls zur Verknappung
des Marktes, Handelswechsel rediskontiert, wenn auch nicht
am offenen Markt, so doch mit gleichen Ergebnissen bei öffentlichen Kassen.
In der Enquete!) bemerkte der Reichsbankpräsident, daß es der
Reichsbank nicht möglich gewesen wäre, die Geldflüssigkeit des Jahres
1926 auf gleichem Wege zu bekämpfen, da ihr inländisches Wechselportefeuille
nur ganz kurzfristiges Material enthalten habe, das sich zum Rediskont
nicht eignete und Abgabe von Privatdiskonten nicht in Frage kam?).
Eine Versteifung des Geldmarktes, wie sie durch Verkauf großer Posten
Schatzscheine häufig erfolgt, wirkt auch einer Goldausfuhr entgegen. Ein
relatir hoher Zins zieht vielmehr wegen der besseren Verzinsung Geld
aus dem Ausland herein. Begünstigt der Stand der Wechselkurse die
Goldausfuhr, so wird die Bank, außer einer Erhöhung ihres Diskonts,
1) a.a. 0. 8. 65.
?) Dem Ziel, den Anschluß an den f{reien Markt wieder zu gewinnen,
dienten damals die Bemühungen der Reichsbank um die Anlage 5 ffentlicher
Gelder, sowie die Ende 1926 auf Veranlassung der Reichsbank durch die Golddiskontbank
vorgenommene Begebung von Solawechseln. Die dadurch aus dem Markt
gezogenen Mittel wurden von der Golddiskontbank der Rentenbankkreditanstalt zur
Verfügung gestellt. Die Golddiskontbank übernahm dafür Hypothekar-Schuldscheine
der Rentenbankkreditanstalt mit einer 3- bis 5jährigen Laufzeit. Hierdurch wurden
die aus dem Ge1d markt gezogenen Mittel in den Kapitalmarkt übergeleitet.
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