Full text : Bankpolitik (2.1930)

Der Credit Mobilier. war nicht Kapitalanlage- und Finanzierungsgesellschaft,
 wie die Brüsseler Soci6t6 Gönerale, sondern ein Emissionshaus im
größten Stile. Seine Leiter haben, darüber besteht kein Zweifel, in nicht
zu verantwortender Weise gewirtschaftet und stark spekuliert. Sie haben
leichtfertig Dividenden verteilt, haben, imfaer im Hinblick auf die beabsichtigte
 Obligationenausgabe, ihre Mittel festgelegt, ohne auf Liquidität
 zu achten, Sie begünstigten wahllos die Schaffung neuer Werte,
ohne Rücksicht auf die eigenen Mittel, und leisteten auf diese Weise der
Agiotage und dem Gründungs- und Börsenschwindel Vorschub. So war
der Krach (1867) unvermeidlich.
Die Fehler und die Verdienste des Credit Mobilier sind verschieden
beurteilt worden. Aycard '), ein kleiner Bankier, hat in seinem, lange
Zeit fast ausschließlich als Quelle benutzten Werk die von der Bank begangenen
 Fehler in stark übertriebener Weise geschildert, während er
den Verdiensten, die sie sich um die Entwickelung der Industrie und
um die französische Volkswirtschaft erworben hat, in keiner Weise gerecht
wird. Er urteilt tendenziös vom Standpunkt der Aktionäre. Demgegenüber
 sucht Plenge?) eine Ehrenrettung der Pereire vorzunehmen:
Licht und Schatten gleichmäßig verteilen Sattler *) und Rießer%).
Sie bringen in gedrängter Kürze alles Wesentliche, was den Aufschwung
und den Niedergang, die Fehler and Vorzüge des Credit Mobilier zu beurteilen
 gestattet, —
Sattler, Max Wirth‘) und andere gaben den bald nach Schaffung
des Pariser Institutes in Deutschland und in anderen Ländern errichteten
größeren Banken die Bezeichnung Credit Mobiliers. S attler, ebenso
wie Schmoller, nennen sie auch Effektenbanken. Ad. Weber %) hat
die Bezeichnung Spekulationsbanken gewählt. Andere nennen sie Industriebanken,
 Anlagebanken, Universalbanken, Omnibanken, Unternehmungsbanken,
 gemischte Banken, Kreditbanken usw. Die letzte Bezeichnung
 ist die bei weitem gebräuchlichste. Charakteristisch ist sie allerdings
ebenfalls nicht, denn auch die Noten- und die Hypothekenbanken, denen
!) Histoire du Credit Mobilier 1852—1867, Bruxelles 1867.
?) Gründung und Geschichte des Credit Mobilier. Zwei Kapitel aus: Anlagebanken,
eine Einleitung in die Theorie des Anlagenbankgeschäftes, Tübingen 1903.
3) Die Effektenbanken. Leipzig 1890.
*) Die deutschen Großbanken und ihre Konzentration. 4. Aufl, Jena 1912,
5) Geschichte der Handelskrisen. 1857,
’) Depositenbanken und Svekulationsbanken. 3. Aufl. Leipzig 1922.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.