Full text : Bankpolitik (2.1930)

in Preußen betrieben und‘dieses Land mit ihren Noten überschwemmten,
Die kleinstaatlichen Regierungen verfuhren in der Erteilung der Notenbank-Konzession
 oft mehr als liberal und statteten die Institute mit großen
Privilegien aus. Infolgedessen traten eine stattliche Zahl Notenbanken
ins Leben: die Chemnitzer Stadtbank, die Rostocker Bank, die Bank für
Süddeutschland (Darmstadt), die Frankfurter Bank, die Hannoversche
Bank, die Geraer Bank, die Weimarische Bank, die Thüringische Bank,
die Bückeburger oder Niedersächsische Bank, die Privatbank in Gotha,
die Mitteldeutsche Kreditbank in Meiningen, die Lübecker Privatbank,
die Kommerzbank in Lübeck, die Oldenburgische Landesbank, die Bremer
Bank, die Hamburger Bank, der Leipziger Kassenverein, die Braunschweiger.
 Bank und die Luxemburger Bank.
1851 gab es in Deutschland 9 Notenbanken. 1856 war ihre Zahl auf 19,
1857 auf 29 angewachsen. Fast jeder Staat hatte sein eigenes Noteninstitut.
 Jede Bank sah in der anderen eine Konkurrentin und suchte
deren Pläne nach Möglichkeit zu durchkreuzen. Die Mehrzahl der Banken
führte ein kümmerliches Dasein und trieb egoistische Politik. Ihr Hauptziel
 war, möglichst viel Noten auszugeben, um sich dadurch zinsfreie
Darlehen zu schaffen.
Je kleiner die Noten waren, desto länger hielten eie sich im Verkehr,
lesto seltener wurden sie der emittierenden Bank zur Einlösung vorgelegt.
 Diese Erfahrungen hatten die Notenbanken gemacht, und man
konnte es ihnen, vom reinen Erwerbsstandpunkt aus betrachtet, nicht
verargen, wenn sie sich diese Tatsachen zunutze machten und kleine
Noten bis zu 1 Taler herab in großen Posten in Umlauf brachten. Als
ihre Ausgabe in Preußen verboten wurde, weil dadurch das Metallgeld
aus dem inneren Verkehr nach dem Auslande verdrängt würde, mehrten
sich die Noten zu 10 und zu 20 Taler. Ein weiteres viel angewendetes
Mittel, die Noten möglichst lange im Verkehr zu halten, bestand darin,
daß man ihre Einlösung nach Möglichkeit ersch werte, indem sie
aur von der Emissionsbank erfolgte, deren Domizil oft ein vom Verkehr
weit abliegender Ort war.
Diese natürliche Schwierigkeit wurde oft noch durch künstliche Mittel
arhöht: die Noten wurden in schlechtem Geld eingelöst, Um von der
Einwechslung abzuschrecken, gaben einige Banken für ihre Noten kleine
Silbermünzen, Wer eine über 100 Taler lautende Note zur Einlösung
vorlegte, bekam z. B. 600 Münzen zu 1/, Taler, Darlehnsgeschäfte wurden
zu einem um 3 und mehr Prozent unter dem üblichen Satz zurückbleiben.-
            
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