Full text : Bankpolitik (2.1930)

Empörung. „Berlin gibt den Ton an, die deutschen Notenbanken müssen
sich dareinfügen.“ Sie selbst aber und ihre Regierungen, die ihnen arglos
die Konzessionen erteilt hatten, trugen allein die Schuld daran.

3. Die Preußische Bank von 1847-—1875,

Die am 1. Januar 1847 ins Leben getretene Preußische Bank widmete
sich in erster Linie dem Notengeschäft. Bis zu 21 Millionen Taler durfte
sie Noten ausgeben unter der Bedingung, daß sie mindestens zu einem
Drittel durch bares Geld gedeckt seien. Die Noten fanden beim Publikum,
obwohl oder vielleicht gerade weil ein Zwang zu ihrer Annahme nicht
bestand, bereitwillige Aufnahme. Selbst während der Krisis im Frühjahr
1848 schwand nicht das Vertrauen zur Bank und zu ihren Noten, die auch
im Auslande Kredit genossen.
Durch Gesetz vom 7. Mai 1856 erhielt die Preußische Bank — es ist
lies das wichtigste Ereignis in ihrer ganzen Entwickelung — das Recht
ler unbeschränkten Notenemission. Damit fängt sie an, in
sine Reihe mit den großen Zentralbanken der Welt zu treten; und von
jetzt ab datiert ihr großer Aufschwung. Ihre Vorgängerin, die Kgl. Giround
 Lehnbank, war seit 1837 , und das sollte sie ihrem Namen nach ja auch
in erster Linie sein, Girobank, und als solche war sie in dem 1. Teil
dieses Buches zu behandeln. Die Preußische Bank hingegen ist reine
Notenbank. 1856 wurde ihr privates Kapital auf 15, 1866 auf 20 Millionen
 M erhöht. Das Privileg wurde 1856 auf 15 J ahre, bis 1871, erweitert.
 Die Zahl ihrer Zweiganstalten in der Monarchie mehrte sich
Jlauernd: 1847 waren es 30, 1852: 70, 1857: 108, 1862: 120, 1867: 144,
1872: 166 und 1875: 183.
Die Erweiterung des Notenprivilegs der Bank war gerade zur rechten
Zeit erfolgt. In den Jahren 1857 und 1858 wurden, hauptsächlich veranlaßt
 durch die angefachte Unternehmungslust und große Börsenspekulationen,
 gewaltige Anforderungen an die Bank gestellt. Das Steigen des
Zinsfußes in allen Ländern machte es auch der Preußischen Bank unmöglich,
 die ihr einst vorgezeichnete Maximalgrenze innezuhalten. 1857
arhöhte sie ihren Wechseldiskont auf 714, ihren Lombardsatz für Darlehen
 auf Waren auf 7%, für Darlehen auf Effekten auf 8%. In diesen
kritischen Zeiten hat die Bank sich vollkommen bewährt. 1857 war sie
auf dem Höhepunkt ihrer Entwickelung angelangt. Vorteilhaft hob sich
die Preußische Bank, die halb Staats-, halb Privatinstitut war, von den

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