Dritter Abschnitt.
Die Kulturvölker des alten Orients.
Wir wenden uns nunmehr den bekannten Kulturvölkern zu
und wollen feststellen, wie sich bei diesen in historischer Zeit
das Verhältnis von Natural- und Geldwirtschaft gestaltet hat.
China soll zunächst betrachtet werden. Für das ganze gewaltige
Reich wird man keine einheitliche Form der Wirtschaft annehmen
können. Es herrscht vor allem ein großer Unterschied zwischen
dem Norden und Süden. Im Norden Weizenkultur und Ackerbau
mit dem Rind, im Süden Reisbau und Ackerbau mit dem Wasser-
büffel als Pflugtier, daneben ausgesprochene Gartenwirtschaft. Im
Norden kontinentale, typische Landbewohner, Bauern, die an
der Scholle kleben, im Süden Wasserstraßen, Fluß- und Seefahrer,
die zur Auswanderung neigen‘). Dementsprechend auch als
Naturalgeld Getreide, Reis und Salz, das im 13. Jahrhundert nach
Marco Polo staatlich gestempelt war, sowie Seidenstoffe und Tee,
endlich die Kaurimuschel?). Daneben tritt aber Metallgeld früh-
zeitig auf, Kupfer vor allem, das bereits im 3. Jahrtausend v. Chr.
für die Hia-Zeit (2200—1766 v. Chr.) bezeugt ist. Auch das Eisen
erscheint bereits in dieser Periode in Verwendung®). Von Be-
deutung war in der vorchristlichen Zeit das Gerätegeld. Einmal
das sog. Pu-Geld, ein Bronzegeld des 7. bis 4. Jahrhunderts v. Chr.
das die Kümmerform einer zweizinkigen Hacke bilder‘). Ferner
kommt auch die Kümmerform der Sichel vor’); am bekanntesten
*) Vgl. B. Laufer, Zur kulturhistorischen Stellung der chinesischen
Provinz Shansi. Anthropos (1910), V, ı8x ff.
.?) Vgl. W. Ridgeway, The origin of metallic currency and weight
standards. 1892, S.21ı ff.
3) Vgl. E. Erkes, China (1919), Perthes Kl. Völker- und Länderkunde.
*) Ridgeway a. a. O. S. 22 f.
5) T. de Lacouperie. Cat. of Chinese coins from the 7. cent. b. C. to A.
d. 621. (1892), S. 2—17.