fullscreen: Neuere Zeit (Abt. 2)

Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 593 
reichischen Politik in eigenartiger Weise die Sorgen um Italien 
und die Pläne einer großen Seemachtstellung. Der Kaiser, 
der sehr wohl einsah, daß die Entwicklung der ostendischen 
Handelsgesellschaft gefährdet war, wenn hinter ihren Handels- 
schiffen nicht eine wirkliche Seegewalt sstand, und der eine 
solche auf österreichischem Boden rasch zu schaffen nicht in der 
Lage war, der zudem von jeher voll war von spanischen 
Sympathien, der endlich auf diese Weise auch die spanischen 
Ansprüche in Italien am besten zu dämpfen glaubte — ver—⸗ 
band sich im Laufe des Jahres 1725 in mehreren Verträgen 
seit Ende April mit Spanien zu einer engen Allianz, die u. a. 
auch durch Verschwägerungen ihren Ausdruck finden sollte. In 
dieser Allianz bildeten neben anderen Stipulationen Bestimmungen 
den Hauptpunkt, in denen Philipp V. die ostendische Gesellschaft 
formell anerkannte, ihr und allen Untertanen des Kaisers alle 
spanischen Häfen öffnete und dem österreichischen Handel alle 
Begünstigungen gewährte, welche der englische und nieder— 
ländische Handel genossen. 
Aber war nun zu erwarten, daß diese Schwenkung zu 
einem dauernden Einverständnis sterreichs und Spaniens 
führen werde? Drohend stand der Anfall Parma-Piacenzas 
und Toskanas an Don Carlos, den Erstgeborenen der Elisabeth 
Farnese, im Hintergrund. Und die Königin war nicht gewillt, 
sich mit der Sicherung künftigen Anfalls durch die Garanten 
des Friedens von 1720 zu begnügen: sie wünschte die Sicherung 
des Übergangs der Lande an ihren Sohn schon jetzt durch 
Garnisonierung spanischer Truppen in diesen. So wühlte sie 
in diesem Sinne fort. Und sollte sie bei den Seemächten etwa 
vergebens Gehör suchen? Konnten diese den lästig werdenden 
Konkurrenten Österreich auf bessere Weise außer Gefecht setzen, 
als indem sie ihn in italienische Wirren verstrikten? In einem 
Vertrage von Sevilla, vom 9. November 1729, erteilte England 
und mit ihm das bourbonische Frankreich, das jede Vergrößerung 
der Bourbonenmacht in Italien mit Freuden begrüßte, Spanien 
die Ermächtigung, 6000 Mann spanischer Truppen zur Siche⸗ 
rung des Erbrechts des Don Carlos nach Italien zu entsenden.
	        
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