Wein.
763
6. Bestimmung der freien Säuren (Gesamtsäuro). 25 ccm Wein werden bis zum
beginnenden Sieden erhitzt und die heiße Flüssigkeit mit einer Alkalilauge, welche nicht
schwächer als 1 / 4 -normal ist, titriert. Wird Normallauge verwendet, so müssen Büretten
von etwa 10 com Inhalt benutzt werden, welche die Abschätzung von 1 /xoo com gestatten.
Der Sättigungspunkt wird durch Tüpfeln auf empfindlichem, violettem Lackmuspapier fest
gestellt; dieser Punkt ist erreicht, wenn ein auf das trockne Lackmuspapier aufgesetzter
Tropfen keine Rötung mehr hervorruft. Die freien Säuren sind als Weinsteinsäure zu be
rechnen.
Berechnung. Wurden zur Sättigung von 25 ccm Wein a Kubikzentimeter
1 U Normal-Alkali verbraucht, so sind enthalten:
x = 0,075 a Gramm freie Säuren (Gesamtsäure), als Weinsteinsäure berechnet,
in 100 ccm Wein.
Bei Verwendung von 1 / s Normal-Alkali lautet die Formel:
x = 0,1 a Gramm freie Säuren (Gesamtsäure), als Weinsteinsäure berechnet,
in 100 ccm Wein.
Anmerkung des Verfassers:
Bei der Säurebestimmung ist vor allem darauf zu achten, daß der Wein nur bis
zum beginnenden Sieden erhitzt wird, da beim Sieden selbst mit den Wasserdämpfen
auch Essigsäure entweicht. Andererseits wird durch das Erhitzen die Kohlensäure voll
ständiger ausgetrieben als durch Schütteln und dergl. Überdies schwächt nach A. Halenke
und W. Möslinger 1 ) dieses Erhitzen bis zum beginnenden Sieden die verzögernde
Wirkung der amphoter reagierenden Stoffe ganz erheblich ab, so daß der Endpunkt der
Titration entschieden besser und leichter zu beobachten, also genauer festzustellen ist,
Halenke und Möslinger stellen ein empfindliches Lackmuspapier für die Säure
titration auf folgende Weise her:
200 mg feingepulverte Azolitminsäure werden in einer geräumigen Porzellanschale
mittels 250 ccm siedend heißen, destillierten Wassers und 1,25 ccm Normalalkali in Lösung
gebracht. Durch diese tiefblaue Tinktur werden Streifen neutralen Filtrierpapiers ge
zogen und auf Schnüren bei gewöhnlicher Temperatur in einem möglichst dunkel gehaltenen
Zimmer — nicht Laboratoriumsraum — getrocknet. Die Trocknung bis zur gleich
bleibenden blauvioletten Nuance nimmt bis zwei volle Tage in Anspruch. Von den so
erhaltenen Streifen, welche zur Erhöhung der Gleichmäßigkeit vorteilhaft noch satiniert
werden, sind die durch die Schnüre mißfarbigen Stellen und die Bänder abzutrenneu und
die nach Bedürfnis weiter zerkleinerten Streifen vor Luft und Licht geschützt in
Metallkästen oder Glasbehältern aufzubewahren. Zu dieser Herstellung des Papieres ist
noch zu bemerken, daß die Azolitminsäure nur dann brauchbar ist, wenn sie ein braunes,
in reinem Wasser völlig unlösliches, in alkalihaltigem Wasser dagegen vollkommen ohne
Rückstand lösliches Pulver darstellt. Es erscheinen im Handel auch sog. Azolitmine, die
nichts als etwas veränderte Extrakte von Lackmus sind, die für den vorliegenden Zweck
unbrauchbar sind.
Zur Einstellung der Lauge bedienen sich.Halenke und Möslinger reiner ge
pulverter, über Schwefelsäure getrockneter Weinsteinsäure.
7. Bestimmung der flüchtigen Säuren. Man bringt 50 ccm Wein in einen Rund
kolben von 200 ccm Inhalt uud verschließt den Kolben durch einen Gummipfropfen mit
2 Durchbohrungen; durch die erste Bohrung führt ein bis auf den Boden des Kolbens
reichendes, dünnes, unten fein ausgezogenes, oben stumpfwinklig umgebogenes Glasrohr,
durch die zweite ein Destillationsaufsatz mit einer Kugel, welcher zu einem Liebigschen
Kühler führt. Als Destillatiousvorlage dient eine 300 ccm fassende Flasche, welche an der
einem Rauminhalt von 200 com entsprechenden Stelle eine Marke trägt. Die flüchtigen
Säuren werden mit Wasserdampf überdestilliert. Dies geschieht in der Weise, daß man
das bis auf den Boden des Destillierkolbens reichende enge Glasrohr durch einen Gummi
schlauch mit einer, ein Sicherheitsrohr tragenden Flasche in Verbindung setzt, in welcher
ein lebhafter Strom von Wasserdampf entwickelt wird. Durch Erhitzen des Destillierkolbens
l ) Zeitschr. f. anal. Chemie 1895, 34, 276.