Full text: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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verhinderte z. B. auch Zahlungen ans Ausland mit der Post. Wollte jemand 
ins Ausland verreisen und benötigte dringend Bargeld, so erhielt er ein 
mäßiges Quantum von der Nationalbank ausbezahlt, wenn er durch seinen Paß 
und andere Dokumente seinen Zweck beweisen konnte. Hingegen erhielten 
Lieferanten von Kriegsmaterial Gold und Qolddevisen jederzeit anstandslos 
a'usgefolgt. 
Wir sehen, welche Bedeutung im Falle eines Krieges von mittlerer Aus 
dehnung die Gold- und Golddevisenbestände der Notenbank haben. Ich will 
an Hand der Bilanz der österreichisch-ungarischen Bank die für Kriegszwecke 
wichtigen Posten der Reihe nach besprechen. In Tabelle XVI ist eine er 
gänzte Bilanz der österreichisch-ungarischen Bank veröffentlicht. Die in schiefer 
Schrift eingefügten Postentitel sind entweder an anderer Stelle von der Noten 
bank selbst veröffentlicht worden, oder aber sie beruhen auf Vermutungen, 
die sich auf die Geschäfte der Bank stützen. 
Beginnen wir mit dem Metallschatz. Wie ich schon mehrfach betonte, 
muß man den Goldschatz von jenem Schatz trennen, der nur aus Zeichengeld 
besteht. In traditioneller Weise bildet die Bankbilanz noch immer die Summe 
beider. Außerdem finden wir im Metallschatz auch Devisen verzeichnet. Sie 
werden nur juristisch dem Metallschatz zugezählt, sie gehören mit den übrigen 
Devisen zusammen in den Posten „Andere Aktiven“. Würde man aber die 
Meinung vertreten, die Devisen seien überhaupt dem Metallschatz zuzuzählen, 
so müßten alle Devisen in den Metallschatz eingerechnet sein, nicht nur 
60 Millionen. Diese 60 Millionen werden nämlich auf Grund des Bankstatuts 
regelmäßig dem Metallschatz zugerechnet. Was bedeutet dies? Die Deckung 
der Noten ist mit 2/5 festgesetzt. Sie wurde aber einmal etwas verringert, 
indem man 60 Millionen Devisen als Gold rechnete, um die Notenemission 
nicht einstellen zu müssen. Man hätte korrekterweise die Bestimmungen fol 
gendermaßen formulieren müssen : Die Deckung der österreichisch-ungarischen 
Bank beträgt zumindest V0 der umlaufenden Notenmengen, verringert um 
60 Millionen. Die bankmäßige Deckung besteht dafür aus Vö der Notenmenge, 
vermehrt um 60 Millionen aus Wechseln und Devisen. Von dieser bankmäßigen 
Deckung muß aber, im Falle die Metalldeckung v/eniger als 2/5 beträgt, dies 
Weniger, welches 60 Millionen nicht übersteigen darf, aus Devisen bestehen. 
Wir sehen, daß der Goldschatz aus Gold in gemünztem und ungemünztem Zu 
stande besteht. Alles Gold, das nicht österreichische oder ungarische Prä 
gung aufweist, wird nach dem Kilogramm in die Bilanz gestellt, und zwar 
das Kilogramm zu 3278 Kronen, da ja die Prägegebühr für die österreichisch- 
ungarische Bank, wie wir oben erwähnt haben, 2 Kronen beträgt. Unter den 
Devisen sehen wir englische und deutsche ausgewiesen. 
Diese Devisentypen sind auch im Posten „Andere Aktiven“ vorwiegend 
vertreten. Früher spielten auch die französischen eine große Rolle. Sie sind 
heute weniger beliebt, weil sie weniger tragen, dann aber auch, weil die Bank 
von Frankreich mit der Goldabgabe Schwierigkeiten macht. Übrigens sind 
im Kriegsfall Devisen, die in einem Ort zahlbar gestellt 
sind, der im Gebiet einer kriegführenden Partei liegt, 
keineswegs immer mit Sicherheit zur Geldbeschaffung 
verwendbar. Der Vorschlag, Österreich-Ungarn möge möglichst viele De 
visen der Tripleentente ansammeln, um im Kriegsfall deren Börsen zu stören, 
ist nicht ohne weiteres realisierbar, da im Kriegsfall wohl auch die Triple 
entente ein Moratorium erlassen dürfte, ganz abgesehen davon, daß es noch 
viele andere Mittel und Wege gibt, um die Bezahlung von Wechselsummen 
hinauszuschieben. Während des deutsch-französischen Krieges sank auf ein 
paar Tage der Kurs der englischen Devisen in Berlin rapid, weil die Befürch 
tung auftauchte, England könnte intervenieren und dann die Bezahlung der 
Devisen verhindern. Vielleicht wird England im Interesse seines internatio 
nalen Kredites auch an den Feind Gold abgeben, wenn er englische Devisen 
präsentiert, aber sicher ist das keineswegs. Jedenfalls wäre es verfehlt, da 
mit zu rechnen. Der Posten „Darlehen gegen Handpfand“ hat insoferne grö 
ßeres kriegswirtschaftliches Interesse, als sich unter den Pfandobjekten auch 
Gold befinden kann. Devisen könnten gelegentlich einmal sich auch unter
	        
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