Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

- 163 — 
strömten und dort von denen bezogen wurden, die sie zur Zahlung 
brauchten, so sind es die großen Börsenplätze in der Gegenwart, an 
denen alle Arten von im Auslande fälligen Wechseln zur Verfügung 
gestellt und gekauft werden. Die Vermittler pflegen dabei die kleineren 
Banken zu sein. Sie treten außerdem hinzu, um die internationalen 
Zahlungen zu erleichtern, wenn entsprechende Wechsel nicht vorhanden 
sind. Genau so wie im Mittelalter der Geldwechsler auf seinen Socius 
an einem anderen Orte einen Zahlungsauftrag ausstellte, so geschieht 
a8 auch heute, daß Banken auf ihre Geschäftsfreunde im Interesse 
ihres Kunden einen Wechsel ziehen, um für jenen die Zahlung im 
Auslande zu leisten, während bei Gelegenheit es ebenso umgekehrt 
zeschieht. Andererseits gestatten die Kaufleute dem Verkäufer in 
ainem überseeischen Orte, sagen wir für Lieferung von Baumwolle, 
ainen Wechsel auf sie zu ziehen. Der Wechsel wird an die Bank des 
Verkäufers übertragen, die ihn dann ihrerseits als Zahlungsmittel für 
das Ausland verwenden kann. 
In dieser Weise wird bei weitem der größte Teil der internatio- 
aalen Zahlungen durch Wechsel vollzogen und an den Centralpunkten, 
wie gezeigt, zur Ausgleichung und Abrechnung gebracht. 
Als Kreditmittel spielt der Wechsel, wie wir sahen, auch in dem Kreditmittel. 
internationalen Handel eine große Rolle, aber weit mehr im Inlande 
selbst, hauptsächlich wiederum durch Vermittelung der Banken. 
Der Kauf und Verkauf im Großverkehre geschieht heutigen Tages 
zum größten Teil auf Kredit, wie bereits oben (S. 108) auseinander- 
gesetzt. Der Kaufmann bezieht Waren vom Fabrikanten, die er nur 
zum kleinsten Teile bar bezahlt, den größten läßt er sich kreditieren, 
auf 6 Wochen, ein viertel, ein halbes Jahr. Er rechnet darauf, in 
dieser Zeit die Ware zum größten Teil wieder verkauft und das Geld 
lafür erlangt zu haben, um es dann zurückzahlen zu können. Der 
Fabrikant kann so lange aber nicht auf das Geld verzichten. Er 1äßt 
sich deshalb entweder einen Eigenwechsel ausstellen, indem der Käufer 
sich nach Ablauf der Stundungsfrist zur Zahlung verpflichtet, oder er 
zieht auf den Käufer einen Wechsel, und dieser erklärt durch Accept sich 
zur Zahlung bereit, In beiden Fällen wird die Bank herangezogen, 
um dem Fabrikanten das nötige Geld vorzuschießen. Der Eigen- 
wechsel wird auf sie indossiert, und der Fabrikant erhält nach Abzug 
des Zinses bis zum Verfallstermine, Diskont genannt, das Geld vor- 
geschossen. Oder, der Käufer ist bei der Tratte verpflichtet, die 
Summe an die Bank zu zahlen, und dieselbe zahlt den Betrag sofort 
an den Fabrikanten aus, und zieht ihn zur Verfallszeit von dem 
Käufer ein. Auch sonst läßt sich der Lieferant durch einen Wechsel 
oefriedigen, den er seiner Bank verkauft, wie der technische Ausdruck 
:autet, ihn von der Bank diskontieren läßt. Dieses Kreditgewähren 
auf Wechsel ist heutigen Tages das hauptsächlichste Geschäft der 
Banken und heißt das Diskonto- oder Eskomptgeschäft, Man 
°echnet, daß in Deutschland im Jahre gegen 40 Milliarden Mark in 
Wechseln in den Verkehr treten, und in jedem Momente gegen 
t Milliarden sich in Umlauf befinden. Die Reichsbank hatte im 
Jahre 1899 4734000 Wechsel angekauft und zur Einziehung über- 
10ommen, in einem Betrage von 9,3 Milliarden. Der durchschnittliche 
Bestand war in demselben Jahre 817 Millionen und schwankte zwischen 
546 Millionen am 15. Februar und 1127 Millionen am letzten Sep- 
‚ember desselben Jahres.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.