8 43. Die freien Währungen. ;3
selbständige Existenz der Preisskala trat hier deutlich zutage. Nach
Ende des Krieges gelang es durch strenge Begrenzung der Notenaus-
gabe, das Pfund Sterling allmählich wieder in Parität mit dem Sovereign
zu bringen und damit schließlich zur Goldwährung zu gelangen.
Die Beispiele von planmäßig regulierten Papierwährungen sind in
der neueren Zeit zahlreich. Die Geschichte der österreichischen Papier-
währung seit 1848 bietet vielleicht für die theoretische Beleuchtung
des Währungsproblems das größte Interesse. Vergebens hatte Öster-
reich in den fünfziger und sechziger Jahren Anstrengungen gemacht,
um zur ursprünglichen Silberwährung zurückzukehren. Während es
aber der Regierung nicht gelang, das österreichische Papiergeld zur
Parität mit dem Silbergeld zu erheben, ist diese Parität durch den Preis-
fall des Silbers schließlich automatisch hergestellt worden. Im Anfang
des Jahres 1879 war das Silberagio verschwunden. Da aber die Ent-
wertung des Silbers noch weiter fortzugehen drohte, und das Silber
dann, dank der freien Silberprägung, in die österreichische Zirkulation
eingedrungen wäre und die österreichische Rechnungseinheit mit sich
heruntergezogen hätte, entschloß sich die österreichische Regierung, die
nunmehr zur Goldwährung überzugehen wünschte, 1879 die freie Silber-
prägung aufzuheben. Vor diesem Jahre bestand für die Wertbewegungen
der österreichischen Währungseinheit in dem Silberwerte des Silber-
guldens eine obere Grenze. Nach Einstellung der freien Silberprägung
war diese Grenze aufgehoben: Österreich hatte eine reine Papier-
währung ohne irgendwelche Verbindung mit den Edelmetallen. Tat-
sächlich hat sich der österreichische Gulden in der folgenden Zeit der
starken Silberentwertung immer mehr über den Silberwert des Silber-
guldens gehoben).
Alle früheren Erfahrungen von der Papierwährung sind aber voll-
ständig in den Schatten gestellt von den Ereignissen, die nach 1914
sämtliche Valuten der Welt in Papiervaluten mit teilweise phantastisch
weitgehender Verschlechterung verwandelten. Die kriegführenden
Länder haben Banknoten und Staatspapiergeld gedruckt, um Mittel für
ihre Ausgaben zu bekommen, und die neutralen haben zu demselben
Mittel gegriffen, teils für eigene Staatsausgaben in Zusammenhang mit
dem Kriege, teils für mehr oder weniger hervorgezwungene Kredite
an die Kriegführenden. Zwar hat man überall versucht, dieses Verfahren
möglichst lange zu verschleiern und geltend zu machen, daß die neuen
Zahlungsmittel lediglich zur Deckung der wachsenden Bedürfnisse des
Verkehrs erforderlich waren. Die Regierungen haben aber, wie wir
später näher sehen werden, immerfort neue Kaufkraft für sich ge-
schaffen, sei es in der Form von Bankkrediten oder durch direkten
Druck von papiernen Zahlungsmitteln. Damit haben sie die Preise
l) Helfferich’a. a. 0. p. 82.
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