kleine Korrektur anbringen, Es entsrricht zwar durchaus
der gewerkschaftlichen und sozialistischen Agitation, daß
zum „Volke“ nur diejenigen gehören, die entweder ge-
werkschaftliche Beiträge zahlen — die anderen sind Rene-
gaten, Indifferente, entwurzelte Existenzen oder dergl. —
oder im Besitze des richtigen Parteibuches oder Abonnen-
ten der vielen „Volks“zeitungen sind, die es in Deutsch-
fand gibt.
in Wirklichkeit ist aber das Volk trotz dieser
Agitation immer noch die Gesamtheit der durch
den Staat zusammengefaßten und repräsentierten
Bürger,
Der Gewerbetreibende. gehört nicht weniger dazu als der
Arbeiter und der Arbeiter nicht weniger als der ostelbische
Großlandwirt. Ja, sogar der deutsche Unternehmer darf
sich außerhalb dieser Propaganda mit Fug und Recht als
Mitglied des deutschen Volkes betrachten. Seit 1907 ist
der prozeniuale Anteil der Arbeiterschaft am sozialen Auf-
bau des Volkskörpers relativ gefallen. Der Stand der Tech-
nik und die mangelnde Ausdehnungsmöglichkeit unserer
Wirtschaft machen es wahrscheinlich, daß die gegenwärtige
soziale Volksgliederung in Deutschland für absehbare Zeit
sich gleich bleibem wird. Die Arbeiterschaft
stellt darin heute eine geringere Mino-
rität dar als vor 20 Jahren. Die „Wir- Volk“
Propaganda ist also ein agitatorischer Kniff von sehr be-
grenzter Berechtigung.
Werfen wir nun einmal angesichts der genannten
Zahlen die Frage auf, wieviel der gezählten Familien durch
ihre studierenden Söhne: zum ersten Male Fühlung mit
der akademischen Welt erhalten und damit in ihrer Gene-
rafion von morgen in die Schicht der akademisch ge-
bildeten Bürger hineinwachsen, dann ergibt sich etwa fol-
gendes Bild: Wenn man annimmt, daß die Handel- und
Gewerbetreibenden zu 90% Nicht-Akademiker sind,
— in Wirklichkeit ist die Zahl der in Handel und Gewerbe
selbständig tätigen Akademiker bestimmt noch geringer —
wenn man ferner die „freien Berufe“ und die „Pri-
vatangestellten‘“ zur Hälfte den „Akademikern“
zurechnet und die „Offiziere“ und „höheren Mili-
tärbeamten“ mit allen „höheren Beamten“ ihnen
ebenfalls zuteilt — ein sehr tolerantes Maß — dann ergibt
sich, daß unter 80541 aufgezählten Eltern
die Kinder von rund 58000 oder 73% zum ersten
Male in den geistigen Raum der akademischen
Bildung
eintreten. Die geringe Zahl der Fälle, wo es sich um einen
„Wieder“eintritt handelt, werden das Ergebnis sicherlich
nicht wesentlich ändern können. Spricht nun dieses Er-
gebnis dafür, daß im geistigen und sozialen Leben — das
gesamte künstlerische Leben scheidet als eine geistige
Provinz von besonderer Eigenart und Selbständigkeit
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