Full text: Theorie der forstlichen Oekonomik

Forstlicher Zinsfuß. J 
in dem relativen Teuerungszuwachs, d. h. in der durch Geldentwertung 
hervorgerufenen Preissteigerung, eine „Verzinsung“ des Anlagekapitals 
sehen, wenn man den von Endres ausgesprochenen Satz als richtig 
anerkennen wollte. Damit würde man demselben Irrtum verfallen, der 
in der Inflationszeit für einen großen Teil unserer Wirtschaft so ver- 
hängnisvoll gewesen ist. 
Außer dem Steigen der Holzpreise, durch das, wie Endres meint, 
die wirkliche Verzinsung unter Umständen „üb er den landes - 
üblichen Zinsfuß noch weit hinausgehen kann.), 
nennt Endres noch folgende Gründe für die Niedrigkeit des „forstlichen 
Zinsfußes“: Die Sicherheit des Waldbesitzes, die Liquidität des Wald- 
vermögens und des Rentenbezuges, die Bequemlichkeit der Verwaltung 
und Betriebsführung, die Länge des Produktionszeitraums, das Sinken 
des Zinsfußes mit steigender Kultur und endlich die persönliche Wert- 
schäzung des forstlichen Grundbesitzes aus Neigung und wegen der 
indirekten Vorteiler). Von allen diesen Gründen scheint mir nur der letzte 
entscheidende Bedeutung zu besitzen, während die übrigen dem Waldbesitz 
nachgerühmten Vorzüge auch anderen sicheren Kapitalanlagen in mindestens 
demselben Umfange eigen sind. Li e f m a nn nennt als Gründe dafür, 
daß beim Ankauf von Wäldern vielfach sehr hohe Preise gezahlt werden, 
außer der „Annehmlichkeit“ des Waldbessitzes, der häufig nicht nur als 
Erwerbsvermögen, sondern auch als Genußvermögen betrachtet wird, der 
Sicherheit der Kapitalanlage und dem Steigen der Holzpreise noch folgende: 
„Der Wald ist vielfach kein gesondertes Unternehmen, sondern wird mit 
der Landwirtschaft und bei öffentlichen Forsten in Verbindung mit der 
gesamten Wirtschaft betrieben. Daher sind die Besitzer häufig nicht so 
auf dauernde Erträge aus dem Walde angewiesen wie andere Erwerbs- 
tätige. Dabei kommt noch in Betracht, daß im Gegensatz zu allen anderen 
Erwerbstätigen außer dem Bergbau ein vorübergehender Verzicht auf 
Holzverkäufe keine Lagerkosten verursacht, so daß man ohne weiteres bei 
ungünstigen Verkaufspreisen bessere Zeiten abwarten und mit dem Angebot 
zurückhalten kann, ja, daß ~ dies auch zum Unterschied vom Bergbau ~ 
während dieser Jeit noch ein Z u w a < s und damit eine Wertvermehrung 
stattfindets).“ 
Ein außerordentlich wichtiger Grund für hohe Waldankaufspreise 
!) Endres, ]. c., S. 18. 
?) Daselbst, S. 24 ff. 
s) Liefmann, Nationalökonomie und Waldwertrechnung, i. d. Allg. Forst- 
u. Jagdztg., Juniheft 1924, S. 246. 
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