Full text : Der Bolschewismus

174 5, Teil. Die bolschewistische Doktrin.

werden. Aber nach seiner Zertrümmerung durch die erste Agrarrevolution
 im Interesse des Kleinbesitzes, nach der dadurch notwendigen
 Periode der NEP folgt die Umwandlung des Kleinbesitzes
durch die Kollektivierung, durch den Neuanmarsch des Proletatiates
 gegen alle kapitalistischen Elemente.
Das russische Beispiel beweist die ganze Biegsamkeit der
Theorie, die durch die Einführung der Lehre vom Imperialismus
mit den verschiedenen ungleichen Stufen des Gesellschafts- und
Wirtschaftswachstums bewirkt wird. Diese Biegsamkeit ermöglicht
Aktivität und Wagnis, sie bewahrt vor dem Versinken in Routine,
in einen rein theoretischen, sich in Phrasen ergehenden Radikalismus,
 der revolutionäre Maßnahmen verlangt, ohne die jeweiligen
Gesellschaftsbedingungen zu beachten, also etwa sofort nach der
Enteignung der Großgrundbesitzer wie in Räteungarn die Schaffung
 sozialistischer Mustergüter erwartet. Sie ist aber zugleich
energisch gegen allen Opportunismus gerichtet, der ‚sich mit
momentanen Erfolgen taktischer Art begnügt, die politische Machtergreifung
 unterschätzt, unter Berufung auf friedlich langsame
Evolution (Entwicklung) den Sozialismus, das Ziel der Gesellschaftsentwicklung,
 zu einer unwirklichen Angelegenheit macht,
die zunächst noch zu Agitationszwecken gelegentlich hervorgezogen
 wird, um dann praktisch ganz zu verschwinden — also
nur als Ideologie benützt wird, um die Massen bei den sozialistischen
 Parlamentariern, Gewerkschaftsführern usw. zu halten.

Die Grundlagen der Religionskritik,

Die Deutung der Gegenwart mit Hilfe des Begriffes „Imperialismus‘“
 und der Diktatur des Proletariats als Übergangserscheinung
zur Sozialistischen Gesellschaft beweist, daß der dialektische
Materialismus vor allem politisch und sozial interessiert ist. Man
könnte also meinen, daß er im Grunde genommen nur eine politische
 und soziale Theorie und Anweisung für die Praxis bedeute,
die eigentlich nichts mit weltanschaulichen Inhalten, mit Metaphysik
und vor allem der Religion zu tun habe. Ihre philosophische
Terminologie sei eine rein äußerliche Angelegenheit, die sich
leicht ablösen lasse, Aber diese Ansicht, die gelegentlich auch
einzelne westeuropäische Kommunisten wie Höglund vertreten
haben, der an die Vereinbarkeit von Kommunismus und Religion
glaubte und dafür aus der Dritten Internationale ausgeschlossen
wurde ?!!, zeugt von einem völligen Mißverstehen der Grundlagen
            
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