110
Die Organisation.
betriebe — ist meist der einzelne Mensch (ohne daß dieser jedoch als unbedingte
Untergrenze ohne weiteres angesehen werden müßte).
Der tiefste Grund dieser organisatorischen Wirkungssteigerung liegt einmal in
der Möglichkeit der Auslese nach Menge und Güte und Ausbildung der Handeln
den nach ihrer Höchstleistungsfähigkeit. Ferner in der Lieferung und Verstetigung
von Mehrleistungen auf Grund des Gedankengutes der höher befähigten und besser
gewillten oder geschulten Kräfte, indem durch Schaffung von Vordrucken, An
weisungen, Vorschriften auch den untersten und einfältigsten Gliedern des Be
triebes einwandfreie, sichere und hochwertige Arbeit zugemutet werden kann.
„Die subjektive Erfahrung und Genialität wird durch Schablone und Tradition
ersetzt“, sagt Bogdanow 1 . Weiter liegt es in der zweckmäßigen Auswahl der im
Sinne des Ganzen besten Stoffe und Verfahren, die nicht ein Maximum, sondern
ein Optimum an Güte bedingt. Zuletzt aber besonders in der Tatsache, daß die
Arbeitsausführung durch eine Mehrzahl oder eine Masse von Personen (Arbeits
teilung), die an sich eine Steigerung der Leistung zuläßt, nur mittels organi
satorischer Maßnahmen geschehen kann. Es müssen die körperlichen und gei
stigen Einzelleistungen nicht nur summiert, sondern auch gleichgerichtet und
zeitlich und örtlich richtig angesetzt — geordnet — werden, um überhaupt das
Ziel zu ermöglichen. Hier ist auch der Kern des „Organisationswertes“ zu suchen,
der eben als Summenunterschied, als Wert der eingeleiteten und festliegenden Be
ziehungen, der Kenntnis und Einspielung der Beziehungen, der Vertrautheit mit
dem Erzeugnis und seinen Eigenschaften, auch seitens der Umwelt, der aufeinan
der und mit den Einrichtungen des Betriebes eingespielten Belegschaft usf. zu
gelten hat, und der „nicht so sehr an der Persönlichkeit der leitenden Männer liegt
als an den bleibenden Ergebnissen der von ihnen ausgeübten Erziehung und den
von ihnen eingeführten Methoden“ 1 2 .
In guter Übereinstimmung ist die hier gegebene Begriffsbestimmung mit Münsterberg,
der sagt: „Gleichviel, ob es sich um eine Eheschließung oder eine Vereinsbildung handelt, um
eine Parteiorganisation im Heer oder Staat, stets werden mit Bewußtheit Aufgaben ange
strebt, die der einzelne oder ein großer Haufen Vereinzelter zu erfüllen außerstande wäre 3 .“
Oder auch mit Schultze, der Organisieren das „planmäßige Zusammenordnen von Menschen
und Einrichtungen zwecks Steigerung der Wirkungskraft menschlicher Anstrengungen“ 4
nennt.
Die Folgerungen Erdmanns 5 , daß „Zielstrebigkeit“ und „Planmäßigkeit“ oder auch
„die Regelung der Verhältnisse von Mensch zu Mensch oder von Mensch zu Gegenstand“ 6
als begriffliche Merkmale anzusehenseien, müssen abgelehnt werden; siesindnichtkonstitutive
Eigenschaften der Organisation. Nach von der Pfordten heißt organisieren,„eine Mehrzahl
verschiedener Menschen aus einer bloßen Summe in eine lebendige, zweckvolle Gemeinschaft
verwandeln“ 7 , worin sich wieder das Merkmal der Überwindung der „bloßen Summe“ und
das Gemeinsohafts- (Ganzheits-) Handeln findet.
Leitner gibt gleich mehrere Begriffe zur Auswahl: „Organisieren heißt die ... notwen
digen Betriebsmittel planmäßig auf die einzelnen Organe verteilen“ 8 ; heißt,,planmäßige Ord
nung, Verbindung und Regelung durch den gemeinsamen Zweck zusammengefaßter Tätig
keiten“, „formbildendes und formgebendes, regulierendes Ineinandergreifen und Zusammen
wirken der Glieder eines Ganzen“ 9 . Er umschreibt damit nur die organisatorischen Verfahren
und gibt eine bildhafte Andeutung des organisatorischen Geschehens.
Einfache,,Zweckerreichung“ 10 oder,, beste Erfüllung ihrerZweckbestimmung“ 11 oder auch;
1 Bogdanow: Bd. I., S. 10.
2 Gantt: Organisation der Arbeit, S. 36. Berlin 1922.
3 Münsterberg: Psychologie und Wirtschaftsleben, S. 231. Berlin 1914.
4 Schultze: Organisation. Handw. d. Arbeitsw.I/II, herausgegeben von Giese. Halle
1927/30.
5 Erdmann: S. 2. 6 Erdmann: S. 6. 7 von der Pfordten: S. 11.
8 Leitner: Wirtschaftslehre der Unternehmung, S. 72.
9 Leitner: S. 277. 10 Calmes: S. 7.
11 le Coutre: Betriebsorganisation (der an der gleichen Stelle eine zwar sehr lange, dafür
aber um so unbrauchbarere Kennzeichnung gibt), S. 15.