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Becher „mit dem Kurfürsten zu Pfaltz, Carl Ludewig, wegen Mannheim
uegotüret", wohin er ihm unter anderem auch Lederbereiter zur Er
richtung einer Lederbereiterei kommen lassen sollte x ); es ist weniger
bedeutungsvoll, daß dieser Plan nicht durchgeführt wurde, weil Becher
bald darauf die pfälzischen Dienste verließ, und es erscheint die Tat
sache allein schon beachtenswert, daß damals solche Ideen überhaupt
zirkulierten. Als dann später Becher in österreichischen Diensten im
Manufakturhaus auf dem Tabor in Wien seine wirtschaftspolitischen
Gedanken teilweise verwirklichen konnte, war unter den dort errichteten
Anlagen die Gerberei nicht vertreten ^).
Weitere Fortschritte brachte erst der Anfang des 18. Jahrhunderts,
wo entweder in staatlichem Besitz oder unter besonderem st aat-
lichemSchutz allenthalben solche Manufakturen entstanden. Entsprechend
der damaligen Überlegenheit des Auslandes über die deutschen Gewerbe
wurden zur Einrichtung und Leitung solcher Manufakturen häufig Aus
länder herangezogen; die mit diesen gemachten Erfahrungen sind in
dessen keine günstigen gewesen, weil die starke staatliche Privilegierung
und die kräftige staatliche Unterstützung den Leitern dieser Einrichtungen
die wesentlichste Eigenschaft des Unternehmers, nämlich das Verant
wortlichkeitsgefühl entzog; Unterschlagungen und starke Defizite waren
nicht selten, und deshalb gingen viele dieser Gerbereien nach kurzer
Lebensdauer wieder ein.
So wurde 1716 zu Königsberg durch zwei englische Lohgerber
eine stark privilegierte Manufaktur errichtet, welche schon nach 10 Jahren
In den Besitz der dortigen Schuh-Macher-Gewercke gelangtes; bald
nachher entstanden zwei Manufakturen in Hannover H; in Böhmen
wurde eine Manufaktur sämischen, Brüsseler, dänischen, Weißgaren und
auch lohgaren Leders hauptsächlich für Handschuhmacherei eingerichtet 5 ),
und 1762 ward eine bayrische Ledermanufaktur an eine ausländische
Kompagnie cum privilegio speciali abgetreten H. 1722 bestand eine
unter der hochfürstl.-brandenburgischen Hof-Raths-Canzley zu Ansbach
stehende „Gerberey-Fabrique" zu Flachslanden ü, und 1728 war der
„Bischof zu Würtzburg . . . ohnumgänglich veranlaßt worden, zum
allgemeinen besten und offenbaren Nutzen dero getreuer Lands-Unter-
thanen einige besondere Lederfabriquen in dero Hochstift Wirtzburg auf
richten" und „auf das zu verkauffende Leder einen gewissen accis setzen
zu lassen" 8 ). 1732 erging von Ansbach aus ein markgräfliches Dekret,
*) Bücher 1722, S. 12; vgl. auch Commercien-Tractat, S. 436.
2 J Vgl. Hatschek 1886. 8 ) Krünitz 1795, Bd. LXIII, S. 499 ff.
4 ) Ebenda S. 498. °) Ebenda S. 497. 6 7 J Ebenda S. 492.
7 ) Langenzenn, Tom. I, 16. fase. 21. 8 ) Würzburg 1728.
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