Object: Entwicklung der Reklame vom Altertum bis zur Gegenwart

KÄUFLICHE RHETORIK 
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dem Einfluß bestimmter Ideen; im Altertum wurde die Ideen- 
reklame durch das gesprochene Wort noch deshalb besonders 
gefördert, weil andere Reklamemittel, vor allem eine wirksame 
Verbreitung durch das geschriebene Wort, gänzlich fehlten. 
Die Bedeutung der Verbreitung der Ideen für die Leitung 
des Staates wurde ausdrücklich auch dadurch anerkannt, daß 
in Griechenland unbemittelte Bürger als Ersatz für den durch 
den Besuch von politischen Versammlungen entstehenden Zeit- 
verlust eine Entschädigung, die sogenannte Versammlungs- 
löhnung, erhielten. Zum Beweise, wie richtig diese Maßnahme 
war, sei beispielsweise an die Reden des Demosthenes zur 
Propagierung der Idee der nationalen Unabhängigkeit gegenüber 
Philipp von Mazedonien im Jahre 340 v. Chr., die sogenannte 
Philippika, erinnert, welche nach dem Tode Alexander des 
Großen (323 v. Chr.) tatsächlich zur Abschüttlung der Fremd- 
herrschaft in Griechenland führten; in ähnlicher Weise hat 
Cicero durch seine Reden die durch Catilina drohende Ge- 
fahr seines Umsturzes (63 v. Chr.) beseitigt und die Staats- 
verfassung gerettet. 
Ebenso wie die geschäftlichen Reklamemittel (Papier für 
Werbedrucksorten, Filme) gegen Entgelt erhältlich sind, so 
war im Altertum auch das Werbemittel Rhetorik = Bered- 
samkeit, käuflich. Die Sophisten, eine von Gorgias und 
Protagoras um 400 v. Chr. begründete Schule der Philosophie, 
erteilten bezahlten Unterricht in der Logik und Beredsamkeit. 
wobei sie als Lehrziel den Grundsatz aufstellten, daß derjenige, 
der das Geld habe, auch Recht haben solle. Den 
Schülern wurde die Biegsamkeit und Gewandtheit der Sprache 
beigebracht, damit sie jeder ihnen von irgendeiner Seite zur 
Verbreitung übertragenen Idee überzeugende Kraft geben und 
sie verbreiten können. Es war also das Reklamemittel „Be- 
redsamkeit‘“ für jeden beliebigen Zweck ebenso erhältlich wie 
heute ein Paket Flugzettel. Plato und Aristoteles charak- 
terisierten die Tätigkeit der Sophisten mit den Worten, daß sie 
je nach ihrem Vorteil den leeren Schein der Wahrheit unter 
Verleugnung jeder sittlichen Pflicht gegenüber derAllgemeinheit 
zu erregen suchten. 
Im Mittelalter und in den ersten Jahrhunderten der Neu- 
zeit finden wir nur wenige große Redner und diese fast aus-
	        
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