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Durchführung vieler Beschlüsse war schon an sich höchst bedenk-
lich und veranlaßte schwere Schädigungen mancher Interessen;
sie mußte noch bedenklicher sein in einem Staate, der nur dem
Schein nach unabhängig, in Wahrheit von der französischen Re-
publik und ihren raubsüchtigen Machthabern völlig abhängig war.
Von einer selbständigen Wirtschaftspolitik
konnte gar keine Rede sein, so daß die genannten
Reformen vorläufig ziemlich wertlos blieben. Der einzige
Erwerbsstand, dem es gut ging und dem die revo-
Jutionäre Bewegung wenig oder gar nicht schadete, der auch von
jenen Neuerungen unmittelbar verhältnismäßig wenig und dann
nur günstig betroffen wurde, war die Landwirtsc haft Sie
war einerseits den lediglich auf Gelderpressungen ausgehenden
fremden Machthabern weniger erreichbar als die Amsterdamer Börse
und der Warenhandel, andererseits war sie in den andauernden
Kriegszeiten als Produzentin so notwendiger Lebensbedürfnisse,
wie es Getreide, Vieh und die Milchprodukte waren, unentbehrlich
und deshalb schonungsbedürftig.
Was von handelspolitischen Äußerungen in die Öffentlichkeit
drang, war meist erzwungen; so das Verbot der Einfuhr englischer
Waren, das die Generalstaaten am 16. September 1796 erließen?).
Der Handel mit Frankreich wurde aufrechterhalten; die Handels-
bilanz, die bis 1789 für Frankreich aktiv gewesen war, veränderte
sich nun zugunsten Hollands, da dieses Frankreich vielfach mit
Kolonialprodukten, die es von England erhielt — in das Verbot
von 1796 waren Kolonialwaren nicht eingeschlossen — versorgen
mußte. Auch sonst ging ein großer Teil der nach Frankreich be-
stimmten Waren, so die nordischen, jetzt über Holland; die See-
Ausfuhren von Frankreich nach Amsterdam, die 1791 rund 23 Mill.
Livres betragen hatten, beliefen sich 1795 nur noch auf rund
514 Mill.?). Dieser Verkehr nahm nun fast ganz den Landweg über
Belgien.
Mit dem städtischen Einfluß, mit der Herrsc haft Am-
sterdams über die niederländische Wirtschaft hatte es nun
ein Ende. Nur im Kreditwesen bestand noch das alte Ver-
hältnis, soweit der Geldmangel oder die Zurückhaltung des
1) Manger, S. 146.
2 Manger, 5. 149%.