Die Kritik des Pantheismus.
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der Unendlichkeit der Welten, der etwa für Giordano Bruno die
sicherste Bürgschaft für die Selbstgewissheit des reinen Denkens
bedeutet: hier dient er nur dazu, das Individuum zu vereinzeln
und die Geltung seiner Erkenntnisgesetze zu relativieren. Die
Prinzipien und Regeln, die wir innerhalb des engen Umkreises
unserer Erfahrungswelt bestätigt finden, sind für die Gesamtver-
fassung des Alls unverbindlich: „c’est une loy municipale, que tu
allegues, tu ne scais pas, quelle est l’universelle“, Die Skepsis be-
rührt hier eine innere Schwierigkeit, die in der Tat mit der Grund-
anschauung, die uns bisher entgegentrat, eng verknüpft ist und
die ihr notwendig anhaftet. Die Harmonie zwischen Denken und
Sein herzustellen, den menschlichen Geist als Abbild und Symbol
der höchsten absoluten Wirklichkeit zu erkennen: das ist die Auf-
gabe, an der die neuere Zeit überall in ihren Anfängen arbeitet
Nikolaus Cusanus selbst knüpft hier an Raymund von Sabonde an,
und trotz aller wichtigen und fruchtbaren Ansätze zu einer Neu-
schöpfung des Problems wächst auch bei ihm die Begriffsbe-
stimmung der Erkenntnis nicht endgültig über diese Fragestellung
hinaus. Diese Ansicht aber enthält in sich ein unbewiesenes und
anbeweisbares Postulat. Denken und Sein können nicht zu wahrer
innerer Uebereinstimmung und Deckung gebracht werden, solange
sie gleichsam verschiedenen logischen Dimensionen angehören, so-
lange das absolute Sein als allgemeiner Oberbegriff dem Denken
vorausgeht und es wie einen Sonderfall umfasst. Diese Einsicht
zu voller Deutlichkeit entwickelt zu haben, ist das mittelbare lo-
gische Verdienst der Skepsis. Hier liegt die einheitliche Tendenz,
an der ihre verschiedenen, modernen Ausprägungen gleichmässig
teilhaben: wie Montaigne, so stellt Sanchez, dessen Werk gleich-
zeitig mit den Essais erscheint, die Zweideutigkeit bloss, die in
dem Wort von der Identität des Mikrokosmos und Makrokosmos
sich verbirgt. Wenn sonst aus der durchgängigen Verknüpfung
und Wechselwirkung zwischen dem Individuum und allen Teilen
des Universums die Möglichkeit der Erkenntnis des Alls gefolgert
wird, so kehrt er diesen Schluss um: das Einzelne selbst kann,
sofern es durch das All bedingt ist, nur aus diesem, also nur unter
Voraussetzung einer unendlichen Erkenntnis, die uns Menschen
verschlossen ist, begriffen werden.!)
In der Tat: wenn der Gegenstand als ein Aeusseres und