Der Wert des Lebens.
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aller Akte des Schauspiels der Natur ist in einem einzigen Jahre
völlig beschlossen. Wenn Du auf den Wechsel der Jahreszeiten
Seachtet hast, so hast Du in ihnen die Kindheit, die Jugend, das
Mannes- und Greisenalter der Welt erlebt; sie hat ihr Spiel ausgespielt;
alles, was sie vermag, ist, es von neuem zu beginnen“
(I, 19). So legt denn auch hier die Skepsis, indem sie den Blick
von den transscendenten Zielen hinweglenkt, den Grund zu einem
echten sittlichen „Positivismus“. Um die geschichtliche Stellung
Montaignes zu verstehen, muss man ihn etwa mit Agrippa von
Nettesheim vergleichen, dessen Werk „De incertitudine et vanitate
scientiarum“ als das erste Kompendium der skeptischen Grundanschauung
in neuerer Zeit gelten kann. Von den dialektischen
Spitzfindigkeiten des Mittelalters treibt es Agrippa.zur Natur zurück,
die er in der Magie zu enträtseln unternimmt. Aber auch
in ihr findet er keinen Halt und Ruhepunkt: und so endet er damit,
das eigene Grundwerk „de occulta philosophia‘“ zu widerrufen
und skeptisch zu zerstören.”) Die Skepsis ist hier, wie man
sieht, nur das Widerspiel des mystischen Erkenntnisideals, das
das Verständnis und die Beherrschung des „Innern der Natur“
fordert. Der Zweifel bedeutet für Agrippa nur die Sehnsucht nach
dem verlorenen Paradies des absoluten Wissens; für Montaigne
spricht sich in ihm zugleich das Vorgefühl neuer Aufgahen der
Erkenntnis aus, Keines der neuen Probleme, die jetzt entstehen, hat
er selber positiv in Angriff genommen; aber bei ihm zuerst werden
die geistigen Grundkräfte frei, die die Zukunft gestalten helfen.
Die philosophische Grundanschauung des Skepticismus ist
in den Essais gedanklich vollendet und allseitig dargestellt. Was
die Zeitgenossen und die Schüler Montaignes hinzubringen, betrifft
nur die nähere Ausführung einzelner Züge, ohne an dem
Aufbau des Ganzen eine wesentliche Aenderung zu vollziehen.
Es ist eine eigentümliche geschichtliche Abfolge, dass hierbei
dem Theologen Charron die Aufgabe zufällt, die Kritik des
positiven Dogmas, die sich bei Montaigne selbst nur in versteckten
Andeutungen aussprach, zu voller Klarheit zu gestalten.
Hatten schon die Essais den Gegensatz zwischen religijöser
und autonomer Moral betont. so wird dieser Gedanke