Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

278 Die Entstehung der exakten Wissenschaft. — Kepler.

auf die Seite der Natur überzugehn“.“%) Und es ist wiederum
der gleiche erkenntnistheoretische Grund, der hierfür ange-[ührt
 wird: der Körper, von dem die magnetische Wirkung ausseht,
 wie das Medium, vermöge dessen sie sich fortpflanzt, sind
beide als feste Quanta bestimmt, gehören daher der immanenten
Gesetzlichkeit der Mathematik und der „Natur“ an.%®) Hierin
aber liegt zugleich ein neues Moment und eine neue Bestimmtheit.
 Der Begriff der Funktion, der uns als logisches Vorbild
und Richtmaass dient, sagt lediglich eine wechselseitige Bedingtheit
 von Grössen aus, ohne an sich darüber zu entscheiden,
welches der beiden Elemente wir als die unabhängige, welches
als abhängige Variable denken sollen. Die Beziehung, die er
ausspricht, ist rein umkehrbar: die Schwere ist somit — wenn
wir den allgemeinen mathematischen Gedanken auf das konkrete
Problem anwenden und in die Sprache der Physik übertragen —
als strenge Wechselwirkung zu fassen nnd zu definieren. Die
Erde zieht nicht nur den Stein, sondern auch der Stein die Erde
an, sodass beide mit einer Geschwindigkeit, die im umgekehrten
 Verhältnis zu ihrer Masse steht, sich einander zu nähern
trachten.?) Das analoge Verhältnis gilt für die Beziehungen der
Himmelskörper; auch hier ist z. B. durch die Gravitation ebensowohl
 eine Bewegung der Erde gegen den Mond, wie eine
Bewegung des Mondes gegen «die Erde gesetzt und gefordert.”)
In diesem Gedanken der Relativität erst wird der Animismus
andgültig entwurzelt. Die schlechthin „inneren“ Kräfte der Metaphysik
 schwinden: keine Kraft gehört mehr einem einzigen
„Suhjekt“ an und für sich an, sondern sie enthält in ihrer Definition
 bereits die notwendige Beziehung auf ein zweites „äusseres‘“
Element. Der Relationsbegriff ist es, der den Kraftbegriff nötigt,
gleichsam aus sich selber herauszutreten und sich in einer reinen
mathematischen Proportion zu bezeugen, Die Frage und das
Interesse wendet sich daher von dem Kraftbegriff dem Kraftgesetz
 zu: zum ersten Mal wird hier die Aufgabe gestellt, die
numerische Regel zu finden, nach der die Schwere sich mit dem
Abstand vom Zentrum ändert. Der Gedanke, dass die Grösse der
Anziehung dem Quadrat der Entfernung umgekehrt proportional
ist, wird hierbei ausdrücklich ausgesprochen und in Erwägung
zezogen; er wird schliesslich nur deshalb verworfen. weil nach
            
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