Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Die Subjektivität der sinnlichen Qualitäten. 
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empirische Ergebnisse und Folgerungen in sich. So ist z.B. die 
Lehre von der Subjektivität der sinnlichen Qualitäten 
in den vorangehenden Begriffsentwicklungen unmittelbar als 
Faktum enthalten und mitgesetzt; nicht als abgeleitetes Resultat 
wird sie erreicht, sondern die ursprüngliche Abgrenzung und 
Definition des Forschungsgebiets selbst ist es, aus der sie her- 
fliesst. Die sinnlichen Merkmale der Farbe und des Tones, die 
sich je nach der Beschaffenheit des aufnehmenden Organs ins 
Unbegrenzte wandelbar erweisen, können nicht dem Gebiet des 
„wahrhaften“ Seins angehören, das als ein Inbegriff „ewiger und 
notwendiger“ Beschaffenheiten und Merkmale zu denken ist. Es 
ist eine erborgte und erdichtete Realität, die ihnen eignet — eine 
Realität, die sich unter der scharfen und durchgeführten Analyse 
des Gedankens in Nichts auflösen muss. So übernimmt Galilei 
auch diesen Satz durchaus in dem Sinne, in dem er bei Demokrit 
gebraucht und angelegt war. Die Materie oder die körperliche 
Substanz lässt sich nicht begreifen, ohne in ihr zugleich die 
Merkmale der Begrenzung, der räumlichen Gestalt und der 
Grösse mitzudenken, ohne sie ferner, sofern sie in individueller 
Bestimmtheit aufgefasst werden soll, nach ihrer örtlichen und 
zeitlichen Lage, sowie nach ihrem Bewegungszustand determiniert 
anzusehen. Alle diese Gesichtspunkte, die sich unter den Grund- 
kategorien der Zahl, der Zeit und des Raumes zusammen- 
fassen lassen, gehören somit notwendig ihrem Begriff an, von 
dem sie sich durch keine Anstrengung der subjektiven „Ein- 
hildungskraft“ loslösen lassen. Ob sie dagegen rot oder weiss, 
bitter oder süss, tönend oder stumm, wohl- oder übelriechend ist, 
brauchen wir nicht zu entscheiden; alle diese Beschaffenheiten 
bezeichnen lediglich wechselnde Zustände, nicht Bedingungen, 
an die der gedankliche Vollzug des Begriffs gebunden. wäre, 
Verstand und Vorstellungsvermögen (il discorso 0 l’imaginazione) 
vermögen für sich allein niemals zu dieser zweiten Gattung von 
Merkmalen hinzuführen; nur die direkte sinnliche Wahrnehmung 
ist es, die uns ihrer versichern kann. Damit aber ist erwiesen, dass 
jene Qualitäten aus dem objektiven Bild der Wirklichkeit auszu- 
schalten sind, dass sie nicht mehr als blosse „Namen“ sind und 
nirgends anders, als im empfindenden Körper ihren Bestand haben. 
Man denke sich die lebenden Wesen und ihre Organe aufgeho-
	        
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