Das Beharrungsgesetz
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mählich immer weitere Teile ergreift und damit mittelbar auch
lem heweglien Körper in jedem Moment einen neuen Impuls
mitteilt. Dabei werden drei verschiedene Phasen begrifflich
unterschieden und die Erfahrungen des Wurfes nach ihnen ge-
deutet; im Anfang, da die Gesamtmasse der Luft noch nicht von
der Bewegung ergriffen worden ist, schreitet der Körper langsam
fort, erreicht dann einen bestimmten, höchsten Wert der Ge-
schwindigkeit, um von ihm, je mehr die übertragene Bewegung
der Luftteilchen sich abschwächt, wieder allmählich herabzu-
sinken.1%) Galilei deckt zunächst den logischen Grundmangel
dieser angeblichen Erklärung auf: sie setzt voraus, dass wenigstens
der Luft die Fähigkeit zukommt, einen empfangenen Eindruck
iber den ersten Moment hinaus während einer bestimmten Zeit-
dauer zu bewahren und festzuhalten; sie muss also dem Medium
eben jene Eigenschaft zugestehen, die sie für den bewegten
Körper selbst leugnete. Die Schwierigkeit ist hier nicht gelöst,
sondern ersichtlich nur um einen Grad zurückgeschoben. Denken
wir uns ferner das Verhältnis zwischen Ursache und Wirkung
als strenge quanlitative Bestimmtheit. so müsste, wenn das
Medium die Ursache der Erhaltung und Fortpflanzung der Be-
wegung wäre, die Grösse der Geschwindigkeit proportional der
Dichtigkeit des Mediums zunehmen, während die Erfahrung das
Gegenteil zeigt. Hier wie bei Kepler ist es der Gedanke der
exakten funktionalen Abhängigkeit, der die Anwendung des
Kausalbegri(fs regelt und einschränkt.!?®%) Wenn Aristoteles weiter-
hin die Erhaltung der „natürlichen“ Bewegung zugestanden, die
der „gewaltsamen“ dagegen bestritten hatte, so zeigt sich auch
an diesem Punkt das Charakteristische der neuen Denkart. Die
Natur im Aristotelischen Sinne steht unter dem Gesichtspunkt
and der Vorherrschaft des Zweckbegriffs: natürlich ist die Be-
wegung, die dem inneren Wesen des Subjekts und seinem imma-
nenten Formprinzip angemessen ist. Für die moderne Wissen-
schaft dagegen ist es der Gedanke der Notwendigkeit, der den
Sinn und Inhalt des Naturbegriffs ausmacht. Sie schliesst dem-
nach nicht von der Qualität und Beschaffenheit einer vereinzelten
Bewegungsiorm auf ihre Beharrung und Fortdauer; sondern um-
gekehrt ist es das allgemeine Gesetz der Erhaltung, durch das
ihr die Geschwindigkeit. die in der unmittelbaren. naiven Auf-
ad