Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Die Relativität der Erkenntnis. 
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wir sie vom Heer der übrigen Fixsterne lostrennen und unter- 
scheiden könnten. !#) Allgemein wird jetzt deutlich, dass sich die 
wahre räumliche Ordnung uns nicht von Anfang an darstellt, 
dass sie selbst vielmehr ein Produkt der fortschreitenden wissen- 
schaftlichen Erfahrung ist und, wie diese, daher stets nur zu 
relativem Abschluss gelangen kann. Der Raum unserer An- 
schauung wandelt sich in den Raum unserer wissenschaftlichen 
Konstruktion; die Ordnung, die uns bisher als feste, gegebene 
Begrenzung zu umschliessen schien, wird jetzt allmählich aus 
dem Prozess der Erkenntnis gewonnen und entwickelt. Freilich 
kann sich das Denken nicht der Aufgabe entziehen, von dem be- 
stimmten Standpunkt aus, den es in seinem Fortschritt erreicht 
hat, die Eine, wahre und eindeutige Verfassung des Raumes und 
des Universums zu fixieren: zugleich aber wird anerkannt, dass 
die „Wahrheit“ jedes derartigen Ansatzes nichts anderes bedeuten 
und besagen kann, als dass er die Gesamtheit aller Phäno- 
mMene — nicht nur der astronomischen, sondern zugleich der phy- 
sikalischen — unter der Einheit einer Regel und eines gedanklichen 
Zusammenhangs befasst. „Denn eine höhere Wahrheit darf und 
kann man in einem wissenschalftlichen Satze nicht suchen, als 
dass er allen besonderen Erscheinungen entspricht“. 147) 
Das „Absolute“ indes, das Galilei zu bekämpfen hat, be- 
deutet nicht lediglich die feste, abgeschlossene Gegebenheit der 
Dinge: es hat seine eigentliche Wurzel nicht in der Welt der 
äusseren Objekte, sondern in der des „inneren“ Geschehens. Der 
Zweckbegriff ist es, der uns innerhalb des Aristotelismus das 
immanente Entwicklungsgeseiz des Werdens und die Wesenheit 
der „Formen“ vermittelt und erschliesst. Auch hier bildet die 
substantielle Weltansicht die notwendige, latente Voraussetzung: 
als „zweckmässig“ können wir ein einzelnes Geschehen nur be- 
zeichnen und begreifen, wenn uns das Ganze, auf das wir uns 
in diesem Urteil beziehen, als vollständig gegeben und fertig er- 
kannt vor Augen liegt. Die neue Forschungsweise, die vom Ein- 
zelnen zum Ganzen aufstrebt, scheint zunächst, verglichen mit 
lieser Anschauung, ein blosses Aggregat und Stückwerk zu sein: 
denn heisst es nicht, den Begriff selbst und seine umfassende 
Bestimmung und Geltung zu leugnen, wenn man ihn zum blossen 
Sammel- und Beziehungspunkt der besonderen Beobachtungen
	        
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